Ergebnis des \"Plabiszits\": 99-mal Abitur

WHG-Abiturfeier 2013

Weinheimer Nachrichten vom 01.07.2013

Direkte Demokratie? Volksentscheid? Egal - am Freitagabend stand nur eines im Mittelpunkt: Abitur. Denn dieses haben die 99 Absolventen des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) in der Stadthalle gemeinsam mit Familie und Lehrern gebührend gefeiert. Ihr Motto: "Plabiszit - 13 Jahre abgestimmt". "Nicht gerade eine Steilvorlage für eine Rede", stichelte Hans Schröder, der stellvertretende Schulleiter bei seiner Begrüßungsrede und scherzte weiter: Zwar habe niemand das Motto gewählt, dennoch habe es die Mehrheit bekommen

Entgegen dem Abi-Motto "habt ihr allerdings keine Wahl gehabt", sagte Schröder. Die 99 Abiturienten waren der erste Jahrgang, der sich nicht mehr zwischen acht- oder neunjähriger Gymnasialzeit entscheiden konnte.

"Was bleibt?", fragte Schulleiter Gerald Kiefer. Was bleibe von der Schulzeit - sind es die Noten oder doch eher Erinnerungen an Begegnungen? "Die Jahre am WHG werden Spuren hinterlassen, sie sind wie ein Rucksack, der das notwendige Rüstzeug enthalten oder unnötigen Ballast darstellt", sagte Kiefer. Kritik übte er zugleich an der Debatte über das Schulsystem. Die Bildung laufe Gefahr, "verzweckt" zu werden. Aufgabe eines Gymnasiums sei es nicht, Menschen für Wirtschaft und Industrie passend zu machen, sondern sie zu bereichern. Rüstzeug statt Ballast.
Weit mehr als Wissensvermittlung

Mit Sorge beobachte er die wachsende Bereitschaft, im Zuge der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit, im künstlerischen Bereich Abstriche zu machen. "Bildung ist weit mehr und weit wichtiger als Wissensvermittlung", plädierte Kiefer. Vielmehr wolle man die jungen Menschen zu "kritischen, weltoffenen und verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft machen."

Dass man trotz G8 ganz zufrieden ist, wie die Schulzeit gelaufen ist, wurde in der Rede der Abiturienten Mariska Kössler und Hendrik Löwer klar. Sie erinnerten an wichtige Momente der Schulzeit - beispielsweise an das Auflösen der Klassenstruktur zu Beginn der Kursstufe. Schnell habe man gemerkt, "dass die Leute doch nicht so doof sind, wie sie aussehen", scherzten die beiden. All die Jahre habe man sich die Abiturienten angeschaut - heute gehöre man selbst dazu. Dabei dürfe man nicht vergessen, welchen Einfluss darauf die Unterstützung von Eltern, Lehrern, Tutoren und Schulleitung gehabt habe. "Unsere Eltern haben all die Jahre mitgefiebert und mitgelitten."

Davon konnten Britta Müller und Anke Berger ein Lied singen. Die beiden Mütter erinnerten an klingelnde Handys in der Decke, einen Zimmerwechsel über die Fenster und durch fußballerisches Können zertrümmerte Deckenpaneelen. Blieb noch die Frage, was man den Abiturienten wünscht? Erfolg? Ein Auto? Einen guten Job? "Wir wünschen euch, dass ihr den Masterplan für euer Glück findet."

Zum Höhepunkt der Abifeier gehörte natürlich die Ausgabe der Zeugnisse sowie die Vergabe der Preise für besondere Leistungen (Infobox).

Stilvoll und gediegen - es war ein wirklich passendes Ambiente für die WHG-Abifeier in der Stadthalle. Da gliederten sich die musikalischen Beiträger der Bläser-AG (Leitung: Gerald Kohl), des Schulchors unter Leitung von Juliane Oberst sowie des Orchesters des WHG unter der Leitung von Silke Weber nahtlos ein. Dem offiziellen Teil und dem Buffet in der Pause folgte der obligatorische inoffizielle Teil des Abends - mit dem emotionalen Abifilm, Dankesreden der Schüler sowie vielen unterhaltsamen Auftritten.

Nach zwölf Schuljahren und einem erfolgreichen Abi wird nun jeder der 99 Absolventen einmal mehr die Wahl haben - ausgestattet mit dem entsprechenden Rüstzeug. az