„Wunsch, dass ihr lebenslänglich neugierig bleibt\"

76 Abiturienten feiern in der Stadthalle / Schüler haben erkannt: „Bildung ist das höchste Gut\"

Weinheimer Nachrichten vom 28.06.2010

Raus aus dem Zoo, der Schule, und hinein in den Dschungel des Lebens. Am Samstag feierten die 76 Abiturienten des Weinheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums in der Stadthalle das Ende ihrer Schulzeit. Motto des festlichen Balls: „MAbigascar" - in Anlehnung an den Trickfilm „Madagascar" rund um Zootiere aus New York. Bei der Begrüßung scherzte Konrektor Hans Schröder: „Wie im Tierpark gab es auch bei uns eine große Artenvielfalt. Zum Beispiel die Giraffen mit den langen Hälsen, die sich ihre geistige Nahrung bei den Nachbarn holten oder die gemütlichen Elefanten, die angetrieben werden mussten." Doch egal ob fleißig oder faul: Der gesamte Jahrgang schaffte die Durchschnitts-Note 2,3.

Witzig und nachdenklich zugleich war auch die Rede von Schulleiter Gerald Kiefer, der den Bogen zu seiner eigenen Schulzeit spannte. Sein Credo: „Kein Mensch ist nur Produkt der Gesellschaft, niemand ist ausschließlich das Opfer widriger Umstände. Das heißt im Umkehrschluss: ,Wir selbst sind entscheidend dafür verantwortlich, was wir aus uns machen.'" Deshalb sein Tipp für die spätere Uni-Zeit: „Wartet nicht, bis ein Professor oder Seminarleiter euch motiviert. Ihr werdet möglicherweise vergeblich warten. Sucht die Motivation in euch."
Seinen Schülern wünschte er vor allem, dass sie offen und empfänglich bleiben „für ihre Umwelt, für das Schöne, das Überzweckmäßige, das Überraschende, das Erstaunliche, für die leisen Botschaften, die Zwischentöne, die Anfragen, das Menschliche und Zwischenmenschliche. Ich wünsche euch, dass ihr lebenslänglich neugierig bleibt, dass ihr jung bleibt." Denn Jugend sei, zitiert nach dem antiken Philosophen Marc Aurel, „nicht ein Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung".

Ähnlich philosophisch beschrieb Carmen Salazar Garcia, die für die Eltern sprach, ihre Botschaft an die Abiturienten: „Wir wollen euch ermutigen, in die Welt hinauszustürmen - erobert sie!" Doch bei allem Ungestüm sollten die jungen Leute nicht das Wesentliche vergessen: Die Familie, die Gesundheit, Freundschaften und die Liebe seien wichtig und schützenswert. „Sie sind wie Glaskugeln. Lässt man sie fallen, bekommen sie Kratzer und Sprünge."
Bedeutungsschwer auch die Abitur-Rede der Zwillinge Alexandra und Jan-Georg Starp. Das Datum ihrer Einschulung am Werner-Heisenberg-Gymnasium - der 11. September 2001, an dem auch die Anschläge auf das World Trade Center in New York (USA) stattfanden - sei Mahnung genug, „nicht in der Verbal-Revolution zu verharren", so Alexandra Starp. Vielmehr wolle man zur Sicherung des Weltfriedens beitragen und eine Gemeinschaft schaffen und erhalten, „in der sich das Leben lohnt". Bei ihrem Exkurs über die Unterschiede von Bildung und reinem Schul-Wissen hatten die beiden - wie sie offen eingestanden - fleißig bei berühmten Köpfen wie den Dichtern Goethe oder Oscar Wilde gespickt. Das nicht überraschende Fazit: Reines Wissen sei noch keine Bildung, doch letztere nicht ohne die Kenntnis von bestimmten Fakten und Zusammenhängen möglich. Das Fazit von Jan- Georg Starp: „Bildung ist das höchste Gut." Nach so vielen intellektuellen und Herzens-Wünschen durften die Abiturienten endlich feiern und ihre Lehrer mit Abschiedsgeschenken und einem Männerballett überraschen.

 

Auszeichnungen für erfolgreiche Abiturienten
Scheffelpreis: Alexandra Starp
Franz-Schnabel-Medaille: Hannah Weiß.
Maul-Medaille: Lara Herbert und Simon Spilger.
Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Lukas Schork (Buchpreis), Michael Ehret, Michael Gastell und Simon Walther.
Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker: Palgit Kogan
Preis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung: Simon Walther.
Fachpreise der Schule: Paula Frank (Biologie), Alexandra Starp (Kunst), Palgit Kogan (Französisch), Andreas Helbig (Gemeinschaftskunde).
GYM-Preise: Palgit Kogan (Musik), Michael Ehret und Paula Frank (Medienarbeit); Palgit Kogan, Matthias Kiefer und Lukas Schork (alle Musik AG), Simone Drews und Christiane Schröter (beide Theater AG), Lukas Schork (Bühnentechnik).

Für ihre Gesamtleistung wurden ausgezeichnet: Simon Walther und Palgit Kogan (beide Abitur-Note 1,0), Andreas Helbig (1,1), Michael Ehret, Laura Noethe, Alexandra Starp und Michael Gastell (alle 1,2), Hannah Weiß (1,3), Paula Frank und Lukas Schork (beide 1,5).