Ein jeder, wie er am besten kann

Kooperation Werner-Heisenberg-Gymnasium und Maria-Montessori-Schule.

Weinheimer Nachrichten vom 02.02.2011

Janina Flößer, Saskia Müller und Kathrin Bergmann sind froh, dass es diese Arbeitsgemeinschaft gibt. Die drei Schülerinnen der 10. Klasse des Werner-Heisenberg-Gymnasiums treffen sich zusammen mit anderen Gymnasiasten einmal pro Woche mit behinderten Schülern der Maria-Montessori-Schule. Während sie Basketball oder Fußball spielen, formen andere Schüler Figuren und Gefäße aus Ton. Die Kooperation in AGs zwischen beiden Schulen gibt es schon seit 25 Jahren.

Das Neue und Ungewohnte bei der Begegnung hält nicht lange an. "Es ist schön, wie sie sich freuen können und einem auch ganz spontan umarmen", sagt Janina Flößer und drückt damit aus, was der Schulleiter der Montessori-Schule, Arnulf Amberg, unter dem "Aufbrechen von Barrieren" versteht.

"Beide Seiten profitieren voneinander", bringt es auch Gerald Kiefer auf den Punkt. Der Leiter des Heisenberg-Gymnasiums empfindet die Begegnung zwischen seinen Schülern und behinderten Gleichaltrigen als wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung, die angesichts des zunehmenden Leistungsdrucks besonders wichtig wird. Der Leistungsgedanke relativiert sich. An seine Stelle tritt das Miteinander, Gemeinschaft und Rücksichtnahme.

Diese Erfahrungen dürfen auch Joachim Gund, Sportlehrer am Heisenberg-Gymnasium, seine Kollegin Barbara Lehner von der Montessori-Schule und die Werklehrerin Gabriele Franz machen. Die Pädagogen stehen hinter der Kooperationsidee und tragen sie durch ihr besonderes Engagement.

Dabei beobachten sie, dass beim Töpfern manchmal Gymnasiasten von praktischen Begabungen behinderter Tischnachbarn profitieren. Im Sport nehmen sich leistungsstarke Schüler zurück, um ein gemeinschaftliches Ballspiel auf Augenhöhe mit Behinderten zu ermöglichen. Umgekehrt spornt der Sport in der AG Montessori-Schüler an, noch mehr zu geben, als sie sonst bereit wären, wie Barbara Lehner immer wieder beobachtet.

Es ist der natürliche Umgang miteinander, der alle bereichert und sich über 25 Jahre Kooperation wie ein roter Faden zieht. Seit dem Schuljahr 1985/86 wurde die damals bereits lose existierende Zusammenarbeit in feste, verbindliche Formen gebracht. Der Schulamtsdirektor untersagte zwar zunächst der Montessori-Schule die Fortführung der AGs, doch mit dem Kooperationserlass vom 17. Januar 1987 war auch diese Barriere beseitigt.

Wenn die AGs Ausflüge machen, wenn sich die Montessori-Schule am Tag der offenen Tür des Heisenberg-Gymnasiums beteiligt, beide Seiten sich bei Sportfesten besuchen oder gar Schullandheimaufenthalte unternehmen, festigen sich die Strukturen.

Aber: Der Druck des Lehrplans macht die Sache nicht leichter. Es bedarf engagierter Lehrer, bereitwilliger Schüler und der Begleitung des Elternhauses, dass die Begegnung bei Sport und Töpfern ins Schulprofil integriert werden kann. Nur so sind auch künftig Erfahrungen möglich, welche die Schulzeit überdauern.

Artikel vom: 02.02.2011