Bunter Spaziergang: Schülerfestival leidet unter geringem Zuspruch / Gehaltvolle Reden und Aufruf zum Engagement gegen Rasismus und Intoleranz

Denn Salz sieht aus wie Zucker

© Weinheimer Nachrichten | WEINHEIM | 06.07.2016

06.07.2016

Weinheim. Es sollte ein rauschendes Festival werden, es wurde eine überschaubare Party. Am Ende aber war die Botschaft wichtig: Weinheim steht für ein offenes und tolerantes Miteinander. Eine Stadt, die Flüchtlinge als neue Nachbarn begrüßt und in der es keinen Platz für Rassismus gibt.

Gut 150 Menschen nahmen an dem „Bunten Spaziergang“ am Montagabend teil, mit dem Schüler aus der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, dem Werner-Heisenberg-Gymnasium, dem Privatgymnasium und der Johann-Philipp-Reis-Schule ein Zeichen für ein offenes und tolerantes Weinheim setzen wollten.

Anhand der dann doch geringen Zahl von gut 100 Schülern, die sich auf den Weg durch die Innenstadt machten und beim Abschluss an der Skateranlage an der Barbarabrücke zu denen aufschlossen, die sich dort schon versammelten, wurde die Botschaft nur in Teilen vermittelt. Deutlicher wurde dies anhand der kurzen, aber äußerst gehaltvollen Ansprachen, bei denen Fabian Heymann als Schülersprecher des Werner-Heisenberg-Gymnasiums gleich zu Beginn die Richtung vorgab. Er hob die Gleichheit der Menschen hervor, forderte, Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen. „Salz sieht aus wie Zucker“, meinte er dazu. Ein auf die Menschen zugehen kann auch in kleinen Schritten erfolgen, wie es Frieda Fiedler als Vertreterin des Jugendgemeinderates bezeichnete.

Hannah Eichner, Schülersprecherin der Johann-Philipp-Reis-Schule, bat darum, sogenannten Asylkritikern entgegenzutreten und das Feld nicht den Populisten und Rassisten zu überlassen. Und eine interessante Sichtweise nahmen Iván Furlan Cano, Brian Davidson und Luca Carocci ein. Integration betreffe alle und daher sei es auch wichtig, dass sich junge Menschen, die das Land in Zukunft vorantreiben sollen, für ein offenes und tolerantes Weinheim einsetzen. Ihre Meinung dazu: „Wir sollten dankbar für unseren Reichtum und unsere Möglichkeiten sein und aus unserer Dankbarkeit auch handeln, helfen und ein Stück weit auch das zurückzahlen, das für uns hier in Deutschland selbstverständlich ist.“

Um die Vorbereitung des Schülerfestivals kümmerten sich die SMV-Vertreter der jeweiligen Schulen in Zusammenarbeit mit denen des Jugendgemeinderates. Sie organisierten auch die PGW-Bääänd, das Cajon Orkestra der Hans-Freudenberg-Schule und das legendäre Trio Disaffection. Sie alle machten Musik unter der Brücke und schauten sich auch die Vorführung der Tanzabteilung „Remove“ des RSC Laudenbach an. Am Ende war es ein kleines buntes Schülerfestival mit einer klaren Botschaft und vielen jungen, engagierten und politisch interessierten Menschen. Und diese wollen nächstes Jahr alles daran setzen, dass im Falle einer Wiederholung auch mehr Besucher kommen. Vor allem müsse die Werbung im Vorfeld besser werden, waren sie sich einig. sf