Beltz-Forum: 500 Lehrer zu Gast in Weinheim / Festvortrag von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann über die Frage, warum Jugendliche heute so anders sind als fr

Jugend hat heute ständig „alles auf dem Schirm“

© Weinheimer Nachrichten | WEINHEIM | 15.11.2016

Weinheim. 500 Lehrer aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen am Freitag und Samstag am Bildungskongress "Beltz-Forum" in der Stadthalle teil. Erstmals fand der traditionsreiche Lehrerkongress in Weinheim statt - als Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen der Verlagsgruppe Beltz, die 2016 ihr 175-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Geschäftsführerin Marianne Rübelmann nutzte die Gelegenheit, um dem Team des Verlags für das große Engagement zu danken. Sie bat stellvertretend einige Mitarbeiter auf die Bühne, wo sie den verdienten Beifall für ein erfolgreiches Buchprogramm ernteten, das gerade Pädagogen "durchs ganze Leben begleitet". Rübelmanns Dank galt auch dem Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG), das "Schülerlotsen" und Klassenräume für Workshops zur Verfügung stellte. Das Themenspektrum reichte von einem "Praxisleitfaden für auffällige Schüler" über "Inklusive Schule" bis zur "Gesprächsführung mit Eltern". Die Big Band des WHG erhielt für ihren Auftritt bei der Eröffnung zudem frenetischen Beifall vom Publikum.

Oberbürgermeister Heiner Bernhard freute sich, dass der Verlag diesmal Weinheim als Veranstaltungsort für das "Beltz-Forum" ausgesucht hatte. Dabei betonte er, dass die Stadt ihren kommunalpolitischen Bildungsauftrag lebe, denn Bildung sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. Die Beltz-Gruppe liefere dafür gewissermaßen das wissenschaftliche Rückgrat.

Als Festredner begrüßte Kongressleiter Wolfgang Endres anschließend Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, der sich mit der Frage beschäftigte, warum Jugendliche heute so anders sind als früher. Anhand der Generationenforschung erläuterte er, wie technische, kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen in der Gesellschaft Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinflussen. Insbesondere der Vormarsch der digitalen Medien habe ab der sogenannten "Generation Y" (Jahrgänge 1985 bis 2000) zu einer Veränderung der äußeren Wahrnehmung geführt. Das Gefühl, dass sich die Dinge ständig verändern, die man "auf dem Schirm" haben muss, führe dazu, dass sich viele junge Menschen nicht mehr auf einen Standpunkt festlegen. Hinzu komme eine hohe Leistungsbereitschaft, da man es heutzutage ohne guten Bildungsabschluss deutlich schwerer auf dem Arbeitsmarkt habe als früher. In der Beziehung zu den Eltern hätten es Jugendliche heute ebenfalls nicht leicht, weil diese in der digitalen Mediennutzung ihren Kindern alles nachmachen. Ferner bleibe die Vielfalt an TV-Programmen, Web-Inhalten und Videospielen häufig nicht ohne Auswirkungen auf Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer. Für die Schulen, so Hurrelmann, bedeute all dies einen Wandel von klassischen Lehrinstituten zu "Agenturen für Lernarbeit", die in einem regulierten Rahmen die individuelle Förderung der Jugendlichen noch stärker in den Mittelpunkt rücken sollten. pro