Erinnern ist wichtig

Weinheimer Nachrichten (online am 04.02.2016)

Am Werner-Heisenberg-Gymnasium fand zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eine Gedenkfeier für alle neunten Klassen statt. Konzipiert wurde sie von der Klasse 10a, die zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Konrad Fink im vergangenen halben Jahr viel Zeit in die Vorbereitung dieser Gedenkveranstaltung gesteckt, Videos gedreht, recherchiert und PowerPoint-Präsentationen erstellt hatte. Nachfolgend - auszugsweise - ein Bericht der Schülerin Miriam Kadel.

„Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat.“ Dieses Zitat war der letzte Wunsch der Mutter von Erna de Vries. Sie ist eine der Personen, deren Lebensgeschichte die 10a für die neunten Klassen in der Aula erzählte. Ihre Mutter wurde in einem Konzentrationslager ermordet.

Aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen, damit so etwas nicht noch einmal passiert, war das Ziel der Vorträge der Klasse 10a. Sie berichteten den Neuntklässlern, die den Nationalsozialismus dieses Jahr in Geschichte durchnehmen werden, von dieser schrecklichen Zeit. Am Anfang wurden die Zuschauer gebeten während der Vorstellung nicht zu klatschen: „Das ist eben kein Thema zum Applaudieren.“

Die Schüler begannen mit einigen Fakten zum Holocaust, was so viel wie „Brandopfer“ bedeutet. Die Nationalsozialisten verdrehten die Bedeutung dieses Begriffs und verwendeten ihn, um auszudrücken, dass die Ermordung der Juden von Gott gewollt sei. Sechs Millionen Juden wurden damals umgebracht - Männer, Frauen und Kinder. Die Juden waren längst nicht die einzigen, die dieser Katastrophe zum Opfer fielen. Es gab einige Menschengruppen, die man als „unbrauchbar“ oder „unerwünscht“ ansah, darunter zum Beispiel Sinti und Roma, Erbkranke, Zeugen Jehovas und Homosexuelle.

„Wir sahen, wie sie durch die Straßen marschierten und am nächsten Tag stand an allen Läden: Juden raus!“, erinnert sich Thea Rumstein. Sie war nur eines von vielen Opfern der antisemitischen Angriffe in dieser Zeit, die die Zehntklässler an diesem Vormittag vorstellten. Thea wurde später nach Theresienstadt deportiert. „Die Leichen wurden einfach dort, wo man wohnte, auf die Straße gelegt, und morgens kam ein Wagen und sammelte sie ein.“ Diese Zeit muss furchtbar gewesen sein. Man fragt sich, wo damals die Menschlichkeit abgeblieben war.

Die Offiziere im Dritten Reich reagierten allerdings sehr unterschiedlich auf die angeordneten Morde. „Ich kann nicht beschreiben, was ich fühlte, als ich das erste Mal von den Gräueltaten hörte.“ Das ist wohl die Reaktion, die man erwarten würde, aber leider gab es eben auch Offiziere, die einfach ihren Befehl ausführten. Aber zu den Voraussetzungen für die Katastrophe, die damals geschah, gehört eben auch die Bereitschaft der meisten Deutschen, die verbrecherische Politik Hitlers hinzunehmen beziehungsweise sie sogar willig zu vollstrecken. „Jeder hatte Angst, denn sobald man die Reihe verließ, hatte man sofort eine Kugel im Kopf.“

Können wir uns nur ansatzweise vorstellen, wie die Menschen sich damals gefühlt haben müssen? Nein. Aber vielleicht wollen wir es uns auch gar nicht vorstellen. Wir wollen nicht wahrhaben, dass es Menschen gibt, die zu so etwas fähig sind. Aber genau deshalb gibt es ja solche Veranstaltungen - um uns daran zu erinnern.