„Projekt, hinter dem die ganze Schule steht“

Weinheimer Nachrichten vom 05. März 2016

Weinheim. „Das wird das Größte, was wir an unserer Schule bisher auf die Bühne gebracht haben“ - Wenn Christian Maul, Leiter der Theater-AG am Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG) das sagt, ist das sicher keine Übertreibung. Denn das, was Maul und seine Schüler an drei Terminen in der Stadthalle - am Freitag, 18. März, bis Sonntag, 20. März, - vorhaben, hat für ein Schultheater tatsächlich gigantische Ausmaße: An der Aufführung des Musicals „Joseph“ von Andrew Lloyd-Webber sind über 100 Schüler und acht Lehrer beteiligt, welche die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften der Schule betreuen.
Neben der Theater-AG sind das der Chor, das Orchester, die Schulband, die Akrobatik-AG, das Technik-Team sowie die Bühnentechnik-AG. Eine Ludwigshafener Firma baut eigens eine spezielle Bühne für das Wochenende in der Stadthalle und überhaupt übersteigen die technische Ausrüstung und die damit verbundenen Kosten alles bisher Dagewesene bei Weitem. „Der technische Aufwand ist enorm", bestätigt Maul, zeigt sich aber zuversichtlich, dass, wenn es soweit ist, alles klappt: „Mehr proben, kann man nicht."

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Hintergründe zum Musical
■ 1968: Der 19-jährige Komponist Andrew Lloys Webber erhält den Auftrag, für den Semesterabschluss „etwas moralisch Erhebendes mit religiösem Inhalt" zu schreiben.
■ In Co-Produktion mit dem 23-jährigen Textdichter Tim Rice entsteht die 15-minütige Rock'n-Roll-Fassung von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat".
■ Andrews Vater, William Lloyd Webber arrangiert eine Aufführung von „Joseph" in der Central Hall in Westminster vor 2500 begeisterten Zuschauern.
■ 1980: Deutsche Ur-Aufführung im englischen Original an der Goetheschule in Wetzlar.
■ 1982: Premiere am New Yorker Broadway als 90-minütige Produktion in zwei Akten.
■ 1991: Für die Aufführung am Londoner Palladium überarbeitet Lloyd- Webber den „Joseph" zu einem zweistündigen, zweiaktigen Musical.
■ 1996: Premiere der deutschen Fassung in der Übersetzung der Texte von Heinz Rudolf Kunze im Colosseum Theater Essen.

Großprojekt 2016
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Proben in heißer Phase
Ein Besuch bei den Gesamtproben in der Aula des WHG vermittelt einen ersten Eindruck, was die Besucher in der Stadthalle erwartet. Bereits beim Betreten der Schule ist das in voller Besetzung rund 40-köpfige Orchester lautstark zu hören, dirigiert wird das Ensemble von Musiklehrerin Silke Winkler.
Rund um die Bühne haben sich der Schulchor mit seinen mehr als 30 Mitgliedern und der Chor der Klasse 5c mit mehr als 20 Kindern gruppiert - noch sind sie nicht mit Headsets ausgestattet, trotzdem wird die stimmgewaltige Unterstützung bei Passagen wie dem bekannten „Any Dream will do" (dcutsch: „Wie vom Traum verführt") gleich zu Beginn des Stückes offenbar.
„Für unsere Aufführung verwenden wir die deutsche Übersetzung der Texte von Heinz Rudolf Kunze", erklärt Maul. Dabei dürfe das Original vom WHG nicht abgeändert werden, hier habe man sich an strikte Richtlinien zu halten.

Großprojekt 2016

In der Aula des WHG bereiten sich die Schüler auf die Aufführungen von „Joseph" in der Stadthalle vor. Christian Maul, Leiter der Theater-AG, gibt den Darstellern Regieanweisungen (unten links) und das Orchester übt für den großen Auftritt (unten rechts). BILDER: SCHEUBER

Traumkleid löst Neid aus
Auch der Inhalt ist unveränderlich und beruht auf der Bibelgeschichte von Jakob (Leon Seibert) und seinen zwölf Söhnen, von denen er Joseph (Rouven Seibert) die meiste Aufmerksamkeit schenkt. Vor den Augen der Brüder zeichnet er Joseph mit einem in allen erdenklichen Farben schillernden Traumkleid („the amazing technicolor dreamcoat") als Lieblingssohn aus und weckt damit den Neid der Brüder. Die verkaufen Joseph als Sklaven an den Hof des reichen Ägypters Potiphar (ebenfalls Leon Seibert), wo er nach einer Liebschaft mit dessen Frau (Miriam Flüchter) im Kerker landet. Doch Gott hat ihn nicht aufgegeben: Seine Gabe der Traumdeutung kommt Pharao Ramses (Alexander Schmitt) zu Ohr und Josephs Schicksal nimmt eine entscheidende Wendung.

Jugendliche Themen bedient
„Das Musical greift vieles auf, was Jugendliche bewegt, Themen wie Freundschaft, Träumen und sich vergeben", erklärt Maul die Wahl des Stückes. Man verfolge damit als Lehrer natürlich auch einen Bildungsauftrag. „Das ist ein Projekt, hinter dem die ganze Schule steht, das ist identifikationsstiftend für uns", so Maul. Das sei allen Beteiligten klar. „Die Spielfreude und die Eigeninitiative, die alle miteinbringen, da merkt man, die haben einfach Bock."

Der Kartenverkauf für die Aufführungen am Freitag, 18. März, Sams-tag, 19. März, jeweils um 19 Uhr und am Sonntag, 20. März, um 15 Uhr in der Stadthalle beginnt am Montag, 7. März, am WHG, immer wochentags in der Pause zwischen 11.05 und 11.25 Uhr. Karten gibt es auch in der Buchhandlung Beltz. Der Eintrittspreis beträgt ermäßigt 10 Euro und 15 Euro für Normalzahler.