Bunter Spaziergänge - Flüchtlinge machten mit

Kinder, Jugendliche und erwachsene Asylsuchende kamen mit - Abschluss im Privatgymnasium

Rhein-Neckar-Zeitung vom 14. Oktober 2015

Weinheim, (keke) „Das ist ja ein Hammer-Spaziergang": Jochen Pöhlert, Kopf der Schüler-„Bääänd" am Privatgymnasium Weinheim (PGW) hatte mit seiner spontanen Reaktion Recht, als er die bunt gemischte Schar am Montagabend auf den Schulhof des PGW einbiegen sah.
Bunt zusammengewürfelt, wie es das „Bunte Weinheim" für sich reklamiert, zeigte sich auch die 150 Menschen zählende Gruppe um Dirk Ahlheim (CDU), den Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (Grüne), Hohensachsens Ortsvorsteherin Monika Springer (Freie Wähler), Stadtrat Carsten Labudda (Die Linke) und Jugendgemeinderats-Sprecherin Frieda Fiedler.

Was den Spaziergang diesmal zu einem „besonderen" machte: Erstmals marschierten gut zwei Dutzend Asyl Suchende mit: Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Unterkunft im ehemaligen G.U.P.S.-Hotel. Die Werner-Heisenberg-Gymnasiasten Mehmet und Mert hatten die Flüchtlinge am Ausgangspunkt - dem Mahnmal am Stadtgarten - mit einem „Hello, welcome Refugees" begrüßt und zum Mitgehen eingeladen.
Im Unterricht beschäftigten sie sich mit Kurzgeschichten, die sich um Vorurteile, Rassismus und Flüchtlinge drehen, so die Achtklässler später. Eine der Geschichten habe von einem Jungen gehandelt, der seine Mahlzeit mit einem Fremden teilt, so Mehmet. „Genial" fand auch Ulrike Herrmann das Engagement der Weinheimer Bürger. Seit Anfang des Monats ist Herrmann im Dienste der Stadt -unter anderem für die „Koordination der Flüchtlingsarbeit von Ehrenamtlichen" tätig. Die nähere Zukunft stelle eine enorme Herausforderung für Deutschland und Weinheim dar, so Herrmann. Alleine könne dies niemand bewältigen: „Helfen Sie deshalb weiter mit und begleiten sie die Geschichte mit Engagement und Ideen!", rief sie die Weinheimer zur Mitarbeit auf.

Eine dieser Ideen, „eine Zeitung speziell für Flüchtlinge", stellte Cornelius Baumann vom Werner-Heisenberg-Gymnasium vor: „Mit vielen Bildern und nur wenigen Fetzen Deutsch." Gleichgültig, ob Laufgruppe oder Spiele-Nachmittag: Je mehr Projekte stattfänden, so Baumann, desto leichter fielen Integration und Miteinander. Bereits vor den Sommerferien hatte am Heisenberg-Gymnasium ein Spendenlauf zugunsten der Flüchtlinge stattgefunden. „4200 Euro", lautete das Ergebnis beim Zieleinlauf, so Schülerin Betül. Zum Transparente-Malen gegen den für November in der Weinheimer Stad¬halle geplanten NPD-Bundesparteitag riefen die Verbindungslehrer Ruth Flocke, Neven Wenger und Christina Fink auf: Das bereitgestellte Leintuch füllten sich in blitzschnell mit bunten Bildern, Zeichen und Worten.

Bunte Spaziergänge

Vorneweg liefen wie immer die politischen Repräsentanten Weinheims. Foto: Dorn

Hannah Kratzer vom Dietrich-Bon-hoeffer-Schulverbund hatte das letzte Wort, ehe „Die Bääänd" zur „Story Of My Life" von „One Direction" und „Knockin' On Heavens Door" (Bob Dylan) ansetzte. Jedem Menschen in Not müsse geholfen werden. Als Schule versuche man, möglichst viele Projekte zu unterstützen oder auf den Weg zu bringen. Den Flüchtlingen gegenüber gelte es, diesen eine „gute Zeit und ein friedliches Zusammenleben" zu ermöglichen, so Hannah. Ein Zeichen der Verbundenheit hatte zuvor bereits die Chef-Etage des „Marktkauf-Scheck-In"- Einkaufsmarkts gesetzt. Sie spendierte den Spaziergängern Knabbereien, Gummi- bärchen, Äpfel und Mandarinen