Vom Aberglaube in einer düsteren Zeit

Bei den Aufführungen des Theaterstückes „Gejagt" nach Arthur Millers „Hexenjagd" ist die Aula zweimal restlos ausverkauft

Weinheimer Nachrichten vom 22.05.2015

Die Bestuhlung der Aula bei der Aufführung des Arthur-Miller-Dramas „Hexenjagd" durch die Theater-AG wurde bei der Premiere am Dienstagabend bei Weitem nicht dem großen Andrang gerecht. „Der Raum war voll bis oben hin, wir mussten noch Stühle dazustellen", sagte Intendant und Regisseur Christian Maul. Man musste sogar Leute wegschicken.
Bei seinen Schülern hat der Leiter der Theater-AG eine positive Resonanz auf das Interesse der Besucher wahrgenommen. Der Lehrer, der die AG vor drei Jahren übernommen hat, erkannte bei den Darstellern im Alter von 14 bis 19 Jahren eine Extraportion Motivation: „Die Lichter brennen, das Publikum ist da, jetzt wird es ernst." Die Nervosität der Proben sei, als es darauf ankam, wie weggeblasen gewesen. „Die Schauspieler haben sehr intensiv gespielt und man hatte das Gefühl, dass sie auf der Bühne zu der Person wurden, die sie verkörpern", zeigte sich Maul ob der Leistung seiner Schützlinge äußerst zufrieden.

Schlüsselszene

Schlüsselszene: Die junge Betty (Linda Skiera) wird von ihrem Onkel, Reverend Parris (Arif Temür), nach einer mysteriösen Nacht im Wald bewusstlos aufgefunden. Seine Nichte Abigail Williams (Miriam Flüchter) beteuert: „Wir haben nur getanzt." Im Dorf wird aber bald über „unnatürliche Dinge" geflüstert: Es soll eine Hexe geben. Die Jagd beginnt. BILD: KOPETZKY

Das Thema des Stückes, die Hexenjagd, ist alles andere als einfach: Es ist das Jahr 1692. In Salem, Massachusetts, wird die jugendliche Betty nach einer mysteriösen Nacht von ihrem Onkel, Reverend Parris, ohnmächtig im Wald aufgefunden. Ihre Cousine Abigail Williams war dabei und beteuert, dass man nur getanzt habe. In der Stadt spricht sich das Ereignis allerdings schnell herum und es wird von „unnatürlichen Dingen" gesprochen. Bald wird hinter vorgehaltener Hand geflüstert, dass es im Dorf eine Hexe geben soll. Die Gemeinschaft präsentiert sich zunächst in gottesfürchtiger Einigkeit gegen die mysteriöse Bedrohung, steigert sich aber nach und nach in gegenseitige Verleumdungen hinein. Nicht im Gottesdienst zu erscheinen, wird von der aufgebrachten Bevölkerung schon fast als Eingeständnis der eigenen Schuld wahrgenommen.
Arthur Millers Absicht war es mit seinem 1953 als Reaktion auf die Kommunistenjagd in der McCarthy-Ära erschienenen Drama die Gefahren einer unaufhaltbaren Massenbewegung anzuprangern. Mit Sicherheit hätte er sich darüber gefreut, wie die Heisenberg-Schüler seine Botschaft auf die Bühne gebracht haben. nil