In Salem geht es mit dem Teufel zu

Werner-Heisenberg-Gymnasium: Theater-AG zeigt heute und morgen um 19 Uhr mit dem Stück „Gejagt" ihre Interpretation von Arthur Millers „Hexenjagd"

Weinheimer Nachrichten vom 20. Mai 2015

„Wir sind sündige Menschen." „Gott beschütze uns." Wie ein Mantra werden diese Sätze mit zunehmender Eindringlichkeit von den Schülern der Theater-AG des Werner- Heisenberg-Gymnasiums wiederholt. Heute und morgen Abend, jeweils ab 19 Uhr, präsentieren sie mit dem Stück „Gejagt" ihre Interpretation von Arthur Millers bekanntem Drama „Hexenjagd", das auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1692 beruht.

In Salem geht es mit dem Teufel zu

Zu Beginn präsentiert sich die Bevölkerung Salems noch als geschlossene Gemeinschaft, die ihre Stärke gegenüber den „übernatürlichen Dingen" in der Einigkeit findet. Bald schon führt die Hexenjagd zu Intrigen und gegenseitiger Verleumdung. Hier eine Szene aus der Theaterprobe des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. BILDER: HOFMANN

Blick hinter die Kulissen
Bei den Proben zeigte sich bereits der große Aufwand, mit dem Theater-, Technik- und Licht-AG g¬meinsam die Zeitreise ins düstere, vom Aberglauben geprägten späten 17. Jahrhundert bewerkstelligt h¬ben: Schwarze Tücher dunkeln den sonst hellen Raum ab und verleihen der im Stück beschriebenen Hexe¬jagd den passenden Hintergrund.
Intendant und Regisseur des Stückes ist der Leiter der Theater-AG, Christian Maul. Bereits im dritten Jahr betreut der Deutsch- und Englischlehrer die Theateraufführungen der Schule. In diesem Jahr bietet er zudem den Oberstufenkurs „Literatur und Theater" an. „Fast der ganze Kurs ist bei dem Theaterstück dabei", freute sich die 19-jährige Karen Schmitt, die selbst die Rolle der Mary Warren übernommen hat. „Ein schrecklicher Name, der immer falsch ausgesprochen wird", sagte sie.
Fast ein halbes Jahr haben sich die 14- bis 19-jährigen Schüler zunächst einmal die Woche, zuletzt täglich in Proben auf ihren Auftritt vorbereitet. „Mit der Zeit entwickelt sich das eigene Spiel. Manchmal ist das schon schizophren, wie eine zweite Persönlichkeit", erklärte Sebastian Wagner, der im Stück den Pastor Haie gibt. Ebenso wie alle Jungen der Theatergruppe wird er an beiden Aufführungstagen auf der Bühne stehen, während die weiblichen Rollen, abgesehen von zwei Ausnahmen, doppelt besetzt sind.
„Wir mussten ein Stück finden, in dem es viele Frauenrollen gibt und die Rollen ausgewogen verteilt sind", so Maul. Zudem habe man kleine Veränderungen an den Charakteren vorgenommen, wie die 18- jährige Gesa Beck erklärte: „Ich spiele Rebbeca Nurse, die im Original 80 Jahre alt ist. Das wäre unglaubwürdig. Wir haben sie jünger gemacht." Und die 14-jährige Marta Fischer, die Betty Parris spielt, ergänzte: „Altmodische Sätze haben wir umgeschrieben und modernisiert."

Betty (Marta Fischer) und ihre Cousine Abigail (Julia Kadel) im emotionalen Zwiegespräch

Betty (Marta Fischer) und ihre Cousine Abigail (Julia Kadel) im emotionalen Zwiegespräch

Generell solle das Stück aber das ausdrücken, was auch Arthur Miller vor gut 60 Jahren beabsichtigte: Das Phänomen einer Massenbewegung zu zeigen, die, einmal in Panik geraten, nicht mehr aufzuhalten ist. Immer wiederkehrende Stichworte in diesem Zusammenhang sind die Begriffe der Angst, der Rache, der Leidenschaft und des blinden Gehorsams.
Auch die Kirche muss in dem Stück Kritik einstecken: Jeder, der nicht regelmäßig im Gottesdienst erscheint, wird unter Generalverdacht gestellt.

Christian Maul, Leiter der Theater-AG, betreut das Theaterstück als Regisseur

Die Handlung
Die Bevölkerung von Salem, Massachusetts, befindet sich in großer Aufruhr nachdem Betty (Linda Skiera/Marta Fischer), die jugendliche Tochter von Reverend Parris, nach einer mysteriösen Nacht bewusstlos aufgefunden wurde. An ihrem Krankenbett entwickelt sich eine hitzige Diskussion zwischen ihrem Vater, dem Reverend (Arif Temür), und ihrer Cousine Abigail Williams (Miriam Flüchter/Julia Kadel), die in jener Nacht dabei war. Immer wieder beteuert das Mädchen: „Wir haben nur getanzt." Der Reverend indes ist davon wenig überzeugt: „Ist dein Name wirklich rein in der Stadt?", fragt er seine Nichte, die trotzig erwidert: „Ich brauche mich meines Namens nicht zu schämen."

Scham auf der einen Seite und das Verteidigen der eigenen Unschuld andererseits, sind zentrale Themen des Stückes. Betty - bleich und in ein weißes Kleid gehüllt - wirkt wie das Sinnbild der Unschuld. Doch ist sie das wirklich? Oder ist sie in jener Nacht das Opfer unnatürlicher Geschehnisse geworden? Gibt es im Dorf eine Hexe? Bald beginnen die Einwohner von Salem, sich gegenseitig zu verdächtigen, und während zu Beginn der Hexenjagd noch die Einheit betont wird, zerfällt die Gemeinschaft nach und nach in Einzelteile.

Eine der Ersten, die sich von der allgemeinen Panik anstecken lässt, ist Ann Putnam (Lea Schuler/Daniela Schmitt), die sich sicher ist, dass Betty vom Teufel berührt wurde: „Ihre Seele ist verloren." Auch Mary Warren (Antonia Boeckle/Karen Schmitt) ist überzeugt: „Sie stirbt. Geister beschwören ist eine Sünde." Und John Proctor (Alexander Keller) bringt es auf den Punkt: „Die ganze Stadt ist verrückt." Zunehmend gerät das Dorf außer Kontrolle, und Intrigen und gegenseitige Verleu¬mdungen greifen um sich.