Ein bis zur Raffinesse kluger Roman

Regina Dürig erhält für ihren Jugendroman „2 1/2 Gespenster" den Peter-Härtling-Preis / Die Geschichte eines netten Typs mit roten Cowboystiefeln

Weinheimer Nachrichten vom 11. Mai 2015

Seit 1984 schreibt der Weinheimer Verlag Beltz & Gelberg den Peter-Härtling-Preis für das beste unveröffentlichte Kinder- und Jugendbuch-Manuskript aus. In diesem Jahr erhielt die in der Schweiz lebende, gebürtige Mannheimerin Regina Dürig mit ihrer Erzählung „2l 1/2 Gespenster" die begehrte Auszeichnung.
Auch diesmal ließ es sich der Namensgeber des Jugendliteratur-Preises nicht nehmen, bei der Feier in den Räumen der Buchhandlung Beltz persönlich anwesend zu sein. Der 82-jährige Peter Härtling bedankte sich bei Verlegerin Marianne Rübelmann sowie der Lektorin Barbara Gelberg für ihre Treue, seit über 30 Jahren hinter der Idee des Peter-Härtling-Preises zu stehen. Er dankte auch seinen Mit-Juroren Dr. Tilman Spreckelsen (FAZ), Professor Susanne Krüger (Mediendozentin), Dr. Ramona Lenz (Buchhändlerin) und Barbara Gelberg (Lektorin) für die vielen interessanten Gespräche und Debatten, die letztendlich zu einem Ergebnis führten.
Wie bei jedem Buch spielt neben dem Inhalt die Verpackung eine große Rolle, sie sollte dem Leser aus dem Bücherregal entgegen blitzten. „Blitzen" ist die richtige Bezeichnung für das Cover von 2 1/2 Ge¬penster. Schwarze Schreibschrift auf fröhlichem Gelb neben ein Paar knallroten Westernstiefeln. Ansprechender hätte der Verlag diesen sprachgewaltigen und humorvollen Jugendroman nicht ausstatten können. Auch Dr. Tilman Spreckelsen, Jury-Sprecher, hob in seiner Laudatio neben dem literarischen Wert das Cover hervor, das sich von „jämmerlich anbiedernden Vampir-Schmonzetten", nach dem Motto „Hauptsache, die Kinder lesen" wohltuend abhebe.

So wie Regina Dürigs Geschichte um den rätselhaften Leo mit den roten Cowboystiefeln, der in einem Café Kuchen in sich hineinschaufelt, nicht bezahlen kann und auf die Frage, ob er für seine Schulden arbeiten möchte, mit „Eigentlich lieber nicht!" antwortet. Oder die 16-jährige Jonna, die erwachsener wirkt als ihre sich ständig streitenden Eltern und die diesen gut aussehenden Leo zunächst geheimnisvoll, dann regelrecht gespenstisch findet. Das Buch „2' 1/2 Gespenster" zeige meisterlich, was ein Jugendroman vermag, wenn man ihn aus dem Korsett der Erwartungen entlässt. „Ein bis zur Raffinesse kluger Roman einer Autorin, deren Debüt „Katertag" im Jahr 2012 bereits zu den schönsten Hoffnungen berechtigte."
„Ich möchte keine Dankesrede halten", meinte die charmante Regina Dürig. „Viel lieber möchte ich über Bücher sprechen." Schon in ihrer Kindheit hätten ihr Peter Härt ling oder Christine Nöstlinger Räume gebaut, in denen sie Unterschlupf und Geborgenheit fand. „Ich hoffe, dass auch meine „2 1/2 Gespenster" ein Ort sein können, in dem meine Leser ihren Raum finden". Anschließend wurde das Ergebnis einer Schreibwerkstatt präsentiert, zu der Regina Dürig eine 9. Klasse des Werner-Heisenberg-Gymnasiums eingeladen hatte. Die Schüler sollten zu Teilen des Manuskriptes „2 1/2 Gespenster" eigene Interpretationen verfassen. Vier Schülerinnen zeigten auf beeindruckende Weise, wie der Lieblingsspruch des Protagonisten „Eigentlich lieber nicht" ihre Fantasie herausgefordert hatte. rar