Schweren Weg grandios gemeistert

"Selbstdarstellung und Verwandlung": Das Stadtmuseum zeigt Arbeiten des Kunst-Neigungskurses am Werner-Heisenberg-Gymnasium

Rhein-Neckar-Zeitung vom 07. Mai 2015

Hier eine Serie von bis aufs Kerngehäuse abgenagten Äpfeln, dessen erstes Hineinbeißen bekanntlich die Vertreibung aus dem Paradies nach sich zog. Dort „Doppelporträts", „Wackelbilder" und ein fotografisches „Emotionswirrwarr" als Hommage an die berühmte Fotografin Cindy Sherman, die das Motto der Ausstellung „Selbstdarstellung und Verwandlung" auf verblüffende wie skurrile Art in Szene setzen. An anderer Stelle überzeugen Collagen, Montagen, Serien und Sequenzen im Gleichklang mit fantasievoll ins Bild gesetzten „Metamorphosen" als Kontrast zu aus Ton gefertigten rauen Figuren. Das, so Museumsleiterin Claudia Buggle, „kleine Kabinett" des Weinheimer Stadtmuseums zeigt neben seinen aus vergangener Zeit herrührenden Preziosen noch bis zum 7. Juni auf Zeichenblockblättem und Fotopapier gebannte Kostbarkeiten aus der Gegenwart: gefertigt von 21 Schülern des Kunst-Neigungskurses am Werner-Heisenberg-Gymnasium.

Nach der Premiere vor zwei Jahren hätten die Schüler mit ihren Arbeiten den Kunstunterricht ein weiteres Mal dem Klassenraum enthoben und in die Realität der Öffentlichkeit hineinversetzt, lobte Buggle. Mit der Ausstellung verbunden sei zugleich die Idee eines „Museums-Marktplatzes", der als „Forum" wie „Kontaktaufnahme nach außen" gedacht ist.

Die Aufgabe und der damit verbundene Versuch, sich äußerlich wie innerlich darzustellen, sei in diesem Alter gerade innerhalb einer „Perfektionsgesellschaft" nicht einfach zu lösen, beschrieb Kunstlehrerin Rosemarie Reusch den von den Schülern „in grandioser Weise" gemeisterten „schweren Weg der Distanz von sich"!

Oberfläche, Licht und Schattenbildung ließen Plastizität entstehen, liebevoll ausgemalte Details erzeugen Echtheit. Von der zeichnerischen Darstellung der verschiedenen Stufen einer Veränderung und Verwandlung mit Buntstift und Farbe bis hin zur eigenen „Verkleidung" hätten sich die Schüler Zug um Zug zum Material „Ton" und der Aufgabenstellung „Mensch und Mauer" vorgearbeitet, beschrieb Reusch die künstlerische Vorgehensweise. Abstrakte Begriffe nahmen plastische Formen an, Körpersprache wurde zum Ausdrucksträger, die Oberfläche bei Letzterem „zur Hülle ohne Bedeutung".

Selbstdarstellung und Verwandlung

Die jungen Künstler überraschen mit ihren Werken. Diese sind noch bis 7. Juni im Museum zu sehen. Foto: Kreutzer

Eingelegte Zwischcnschritte legen die „Doppelporträts" offen. Das eigene Bildnis, ergänzt durch ein weiteres. Beide im Dialog aufeinander Bezug nehmend, formal wie inhaltlich. Suche nach Ähnlichkeit mit der eigenen Person mit Hilfe von Foto und Spiegel.

Die Fragen „Wer könnte ich sein?", „Wer möchte ich sein?", verbarg sich hinter der Aufgabenstellung „Verkleidung". Ein Spiel mit der Möglichkeit, in eine fremde Rolle, in den Körper einer bekannten Person zu schlüpfen. Wobei die eigene Figur als Collageelement mit eingearbeitet werden sollte.

„Film-Standbilder" und „Historische Porträts" lautete die anspruchsvollste Herausforderung. Gefragt war ein „Statement über die eigene Person", das in seiner Lösung von der reinen Beschreibung mit formalem Schwerpunkt über Witz und Ironie bis hin zum Philosophischen und
Existenziellen weit über das Sichtbare hinausgeht. Bilder wie aus einem Film, ob Krimi, Seifenoper, Western, Trick- oder Horrorfilm: Selbst die Liebestragödie spielte bei der gemeinsamen Suche nach „dem" Filmtypischen als „weites Feld für Inszenierungen aller Art" eine Rolle.

Die ausstellenden Künstler: Jennifer Baier, Gesa Beck, Pia Boggasch, David Brandt, Isabel Brantsch, Berit Frede, Juliane Holzmann, Mona Körber, Theresa Kraft, Isabel Kriener, Hannah Kürschner, Rebecca Larsen, Akiko Makabe, Ann-Kathrin Mehne, Michelle Müller, Verena Müller, Alina Olenberger, Anna Paasche, Karen Schmitt, Mara Schumacher und Miriam Vespa.