Traditionsschule lockt mit Poetry-Slam, Sport und Kunst

Werner-Heisenberg-Gymnasium stellt beim „Tag der offenen Tür" seine Bildungsangebote vor - Auch interessierte Nachbarn kommen

Rhein-Neckar-Zeitung vom 16. März 2015

„Können Sie die wieder runternehmen?", bittet ein Junge die Lehrerin und streckt ihr seine Hand entgegen, auf der eine Stachelgespenstschrecke herumkrabbelt. Am Samstag ist „Tag der offenen Tür" am Werner-Heisenberg-Gymnasium - und in Biologie wird mit handfesten Attraktionen geworben: Gedacht ist die Veranstaltung für Eltern mit Kindern, die demnächst auf eine weiterführende Schule wechseln.
Doch auch ein älterer Herr aus der Nachbarschaft ist zu Gast. Es interessiert ihn, was hinter den Mauern des historischen Gebäudes passiert. Wer durch die schwere Eingangstür tritt, dem steigt der Duft frischer Waffeln in die Nase. Das kulinarische Angebot reicht von amerikanischen und japanischen Spezialitäten bis hin zu Bratwurst und Schokobar. Im Literaturcafe gibt's nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern eben auch Literatur - und zwar „hausgemachte". Als dort kurz nach 12 Uhr der „Poetry-Slam" der Zehntklässler beginnt, ist die Schar der Neugierigen groß. „Ich steh' nicht so auf Reime, meine Geschichte ist eher ein Hilferuf" , sagt Schülerin Viktoria, als sie ans Mikro tritt. Unter dem Titel „Grüne Gummibärchen" befasst sie sich mit dem Aufenthalt in einer Jugendherberge. Surreal, ja befremdlich sind die Sätze, die sie als Brief an ihre Mutter schreibt.

Tag der offenen Tür 2015 - Gipsmasken

Erläutert wurde im Werner-Heisenberg-Gymnasium auch, wie Gipsmasken entstehen. Foto: Dorn

Das klingt fast wie Franz Kafka, ich bin beeindruckt", flüstert eine Besucherin. Auch die Turnhalle wird zur Showbühne: Es gibt Vorführungen am Trapez, am Trampolin und auf Matten, aufgelockert durch „Tuch-Impressionen" und Modern Dance. Drucke von Weinheimer Stadtansichten gehören zur Präsentation im Fach Kunst. Auch dort wird auf einer Bühne gespielt, die aus schwarzer und weißer Pappe gebastelt ist. Zu sehen gibt es Modeschau oder Musical.

Es lockt aber auch ein buntes Chemie-Labor, in dem erklärt wird, warum der Saft von Rotkraut als Indikator gilt. Oder in dem die Funktionsweise einer „Zitronenuhr" erläutert wird. Tatsächlich können saure Südfrüchte in Verbindung mit Kupfer und Zink zur Stromerzeugung und somit als Batterie-Ersatz dienen. Sogenannte Basaltbomben liegen derweil im Fachraum für Erdkunde als Anschauungsmaterial aus. Satellitenbilder und Landschaftskarten gehören zur Dekoration. Wer will, kann bei einem Wissensquiz mitmachen oder in einem anderen Raum, in dem es um den Aufbau des Auges in all seinen Facetten geht, am Seziertisch Platz nehmen und Schweineaugen auseinandernehmen.
Zum Bildungsangebot am Gymnasium gehören auch Seminarkurse zu verschiedenen Themen. Die digitale Bildarbeitung war jüngst eines davon. Dass Betrachter ein Foto je nach Ausschnitt unterschiedlich interpretieren, wurde hier eindrucksvoll dokumentiert. Infos gab es auch zum aktuellen Schulprofil der über 130 Jahre alten Einrichtung, deren Namensgeber einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts und zudem Nobelpreisträger des Jahres 1932 war: Werner Heisenberg lebte von 1901 bis 1976, sein wissenschaftliches Spezialgebiet war die Quantenmechanik

Karin Katzenberger-Ruf