Liebe ist wie Mascara

Poetry Slam: Zehnte Klassen des Werner-Heisenberg-Gymnasiums nehmen an Workshop mit Philipp Herold und Jens Wienand teil

Weinheimer Nachrichten vom 7. März 2015

WEINHEIM. Zuschauer hätten beim zweitägigen Workshop der zehnten Klassen des Werner-Heisenberg- Gymnasiums (WHG) bestimmt den Hut gezogen. Philipp Herold (23) und Jens Wienand (34) lehrten den jungen Leuten das kreative Schreiben mal anders: durch Poetry Slam.
Slam versucht, das geschriebene Wort so spannend, unterhaltend und mitreißend wie möglich zu machen. Slammer sind Dichter, nicht Improvisationskünstler. Sie reden über Dinge, die ihnen wirklich begegnen. Von klassischer Lyrik über Comedy bis hin zu gesellschaftlich kritischen Texten: Im Poetry Slam ist alles vertreten.
Slammer mit Erfahrung
Philipp studiert Kulturwissenschaften, gibt Workshops für kreatives Schreiben und slammt seit mehreren Jahren erfolgreich selbst, so wie sein Kollege Jens. Er ist Künstler und Veranstalter. Beide sind Teil des Deutsch Amerikanischen Instituts in Heidelberg. Dort vertreten sie das Kulturprogramm Word Up, welches regelmäßig Slam-Veranstaltungen organisiert.
Annika Wiescher, Lehrerin für Geschichte und Deutsch, hat den Workshop am WHG ins Leben gerufen. Sie sagt: „Egal wie viel Mühe wir uns als Lehrer geben, wir werden niemals so cool und authentisch rü-berkommen wie echte Slam-Poeten." Deshalb der Workshop.

Liebe ist wie Mascara

Zehntklässler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums haben an einem Poetry-Slam-Workshop teilgenommen. Leiter waren Philipp Herold und Jens Wienand - bekannte Slam Poeten aus der Szene

Metapher und Vergleich
„Wer kann mir den Unterschied zwischen Metapher und Vergleich erklären?", fragt Philipp seine Nach wuchs-Slammer. Ohne langes Überlegen konnten die Schüler die Frage beantworten. Eine Übung verdeutlicht den Unterschied: Gegenstände aus einem Beutel ziehen und dazu Metaphern und Vergleiche zu der „Schönsten Sache der Welt", die Liebe, bilden.
„Liebe ist wie Mascara, sie gibt meinem Leben mehr Volumen", liest ein Schüler vor und erntet dafür ein mitfühlendes „Oooh" der ganzen Klasse. „Ich bin schon ein bisschen stolz auf meine Schüler", sagt die Deutschlehrerin. Offensichtlich entwickeln die Schüler Spaß an der für sie noch ungewöhnlichen Art von Poesie. Eine weitere Übung: alltägliche Gegenstände so ideenreich wie möglich umschreiben. Durch die positive Atmosphäre in der Klasse ist es den meisten ein Leichtes, ihren Text vorzutragen. Im anderen Fall unterstützen sich die Klassenkameraden gegenseitig. „Das ist nicht peinlich, wir sind doch unter uns", sagen sie. Und umschreibt beispielsweise die Floskel „Gefüllt wie der Bauch eines Königs" einen Kleiderschrank.
Höhepunkt des Workshops war das Schreiben eines eigenen Slam- Textes. „Wenn ihr eine Kuh ins Klassenzimmer fliegen lassen wollt, die sagt 'Oh, ich bin hier beim falschen Zahnarzt', dann dürft ihr das ruhig machen. Eure Kreativität kennt keine Grenzen!", sagte Philipp.

Stehen oder sitzen
Beim Vortragen können die Schüler stehen oder sitzen bleiben. Slam- Poeten brauchen keinen Tisch oder Stuhl, um sich dahinter zu verstecken, sagte Philipp. „Wer wirklich was zu sagen hat, der darf dabei nicht sitzen bleiben."

Wiescher hält Poetry Slam für eine sinnvolle Ergänzung zum üblichen Deutschunterricht. Alle Kmpetenzen, die der neue Bildungsplan verlangt, werden laut der Deutschlehrerin im Poetry Slam vereint. „Ob Präsentieren, Produzieren oder Rezipieren - durch Slammen lernen die Schüler die vorausgesetzten Kompetenzen auf abwechslungsreiche Weise. Das ist modern und macht Spaß", sagt Wiescher. Die Lehrerin wünscht sich, dass künftig jede zehnte Klasse mit Profis slammen lernen kann. Der Förderverein „GYM" des WHG hat diesen Workshop möglich gemacht