Die Schülerzeitung des Weinheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums wurde vom Kultusministerium ausgezeichnet

Mit dem Thema „Homosexualität" haben sie gepunktet

Rhein-Neckar-Zeitung vom 25. Februar 2015

Weinheim, (heb) Als beste Schülerzeitung des Landes in der Kategorie Gymnasium hat das Kultusministerium kürzlich die „Schiffsschraube" des Weinheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums ausgezeichnet. RNZ-Mitarbeiterin Sabine Hebbelmann hat die Redaktion der Schülerzeitung besucht.
Es ist Freitagnachmittag. Die Schüler haben „das Schiff", so wird das Gymnasium in Weinheim auch genannt, längst verlassen und sich ins Wochenende verabschiedet. Aber nicht alle. In der Redaktion der Schülerzeitung sitzen zehn Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren um einen großen Tisch und halten ihre wöchentliche Redaktionskonferenz ab. Süß, denke ich im ersten Augenblick. Wie die Großen. Doch schnell vergeht mir jegliches Überlegenheitsgefühl und weicht großem Respekt. Es geht um die Planung der nächsten Ausgabe und Chefredakteur Cornelius Baumann geht den Terminplan durch. „Wir machen das wieder entspannt", sagt er und wirkt dabei wie ein routinierter Manager.
Mit den 300 Euro Preisgeld sollen Pullis für die Redaktion angeschafft werden. Jetzt werden die Details organisiert: Wer hat Lust die Pullis zu machen und ist XXL nicht etwas zu groß? „Dann krempeln eben alle die Ärmel hoch", lacht ein Redaktionsmitglied. Iris Lasch-Petersmann sitzt etwas abseits und schaltet sich nur hin und wieder in die Diskussion ein.

Schiffsschraube Redaktion

Hier werden Themen besprochen.- Redaktionskonferenz des Schiffsschraube-Teams. Foto: heb

"Das macht so viel Spaß, das ist mein Highlight der Woche", raunt sie mir mit leuchtenden Augen zu. Aus ihrem Stolz auf die talentierten Schüler macht die Deutschlehrerin keinen Hehl.
Auch nicht aus ihrer Genugtuung, dass die Schiffsschraube noch vor „Tempus", der erfolgsverwöhnten Schülerzeitung aus dem benachbarten Ladenburg, gleich bei ihrer ersten Teilnahme das Rennen machte und sich damit zugleich für den Bundeswettbewerb qualifizierte. In der
Begründung der Jury heißt es, die Zeitung sei „im Umfang übersichtlich und angemessen" und überzeuge durch „eine sehr hohe Qualität der dargebotenen Artikel". Herausgehoben wurde auch die fundierte Darstellung des Schwerpunktthemas „Homosexualität". Ein historischer Überblick klärt auf über den Wandel im Umgang mit Homosexuellen, meinungsstarke Aufsätze erörtern die Frage, warum viele Schüler das Wort „schwul" als Schimpf- und Modewort so leichtfertig gebrauchen oder warum Händchenhalten unter Mädchen als normal gilt, während es für Jungs undenkbar wäre. Und wie ist es eigentlich, schwul zu sein?

Über seine Erfahrungen berichtet ein „Betroffener" in einem sehr persönlichen Gastbeitrag. Neben dem Hauptthema gibt es unter anderem einen Newsticker für Aktuelles und die Rubrik WHG intern, in der es um klassische Schulthemen geht. „Lehrer sind immer interessant", weiß Baumann. In der preisgekrönten Ausgabe haben die Schüler recherchiert, was ausgewählte Lehrer nach ihrem Ausscheiden aus der Schule so alles machen. Eine Umfrage unter 300 Schülern und ein Interview mit dem Schulleiter gehen der Frage nach, warum das Essensangebot an der neuen Schulmensa so schlecht angenommen wird, was sich übrigens mit einem neuen Anbieter inzwischen grundlegend geändert hat.
Vorgestellt werden die Weltmeisterinnen im Formationsstepptanzen 2013 und ein Erfahrungsbericht einer frischgebackenen Abiturientin. Eine lesenswerte Kritik am G8 ist hoffentlich auch im Kultusministerium angekommen und ein Beleg dafür, dass Schule - trotz der verkürzten Gymnasialzeit - die Entwicklung selbstständig denkender junger Menschen zumindest nicht verhindern kann. Die jungen Blattmacher beenden die Sitzung und stellen sich vor:
Chefredakteur Baumann ist 16 Jahre alt und sorgt seit fünf Jahren mit dafür, dass die Schiffsschraube läuft. Dazu gehört neben Artikelschreiben auch die wirtschaftliche Seite. „Ich kümmere mich um die Anzeigen, so dass die Ausgabe weitgehend vorfinanziert ist", erklärt er. Der Anspruch sei, die Qualität mit jeder Ausgabe zu steigern.
Yutaka Makabe ist stellvertretender Chefredakteur und zugleich der Fotograf der Zeitung. Am liebsten macht er Interviews. Deutsch-Ass Lena Deinaß schreibt leidenschaftlich gern und arbeitet im Layoutteam mit. Mit Comiczeichnen hatte die 14-jährige Carla Illmann vor drei Jahren bei der Schiffsschraube angefangen. Jetzt ist sie im Layoutteam und schreibt, laut Baumann, „unglaublich frech".
Auch Rosa Weber ist als Layouterin und Artikelschreiberin aktiv. Zu denen, die fehlen, gehört die Leiterin des Layoutteams Nadine Asfour, die vor eineinhalb Jahren mit der Umstellung auf Din A4 das frische Magazin Design eingeführt hat. Lara Müller interessiert sich mehr für den Verkauf und Marlene Gerstner und Kristof Purpus wollen sich mal ansehen „wie das so abläuft". Der zwölfjährige Linus Pascher ist seit Anfang 5. Klasse dabei und war schon in der Grundschule begeisterter Leser der Schiffsschraube.