"Wir sprechen mit dem Caterer"

Weinheimer Nachrichten vom 07.06.2014

Bisher konnten Schüler der Klassen 5 bis 10 am Werner-Heisenberg-Gymnasium das Schulgelände in großen Pausen und Freistunden verlassen, wenn Erziehungsberechtigte es beantragt hatten. Grund war, die Möglichkeit eines außerschulischen Mittagessens einzuräumen. "Richtig froh war ich über diese Regelung nie", sagt Oberstudiendirektor Gerald Kiefer. Insbesondere die Tatsache, dass manche Schüler sogar bis zur B 3 flitzten, um sich mit Fast Food zu versorgen, barg ein erhöhtes Unfallrisiko.

Die Sondergenehmigungen wurden nun im neuesten Eltern-Informationsbrief widerrufen. Seit es eine Mensa gibt, können Schüler auf dem Schulgelände mittags speisen. In dieser Cafeteria können sie ferner Speisen der Lunchbox verzehren, die nach wie vor von Müttern angeboten werden, oder selbst mitgebrachtes Essen zu sich nehmen. Laut Schulordnung des Heisenberg-Gymnasiums gilt das Verbot, das Schulgelände zu verlassen, von Klasse 5 bis 10. Kiefer telefonierte diese Woche mit dem Regierungspräsidium und klärt ab, ob er die Schulordnung ändern und die Schulgelände-Bestimmung neu von Klasse 5 bis 9 fassen kann. "Das werde ich noch vor den Ferien in einem weiteren Elternbrief mitteilen", sagt Kiefer.
Entschieden verwahrt sich der Schulleiter gegen den Eindruck, mit der neuen Bestimmung solle das Geschäft in der Mensa angekurbelt werden. "Ich bin mit dem Caterer weder befreundet, noch verdiene ich am Umsatz", sagt Kiefer. Auf der Facebook-Seite der Weinheimer Nachrichten wurde über den Wegfall der Ausnahmegenehmigungen kontrovers diskutiert. Dass Schüler unterer Klassen nun nicht mehr schnell zum Dönerladen oder asiatischen Schnellimbiss um die Ecke gehen können, stieß auf Kritik. Andere Diskussionsteilnehmer wiesen auf frühere Jahre hin, als es noch üblich war, Lunchpakete von zu Hause mitzubringen.
Fest steht: In der für viel Geld gebauten Cafeteria ist die Nachfrage nach warmem Mittagessen durch einen Caterer von anfänglich bis zu 140 Portionen auf 30 drastisch abgefallen. "Das liegt auch an unserer wirklich guten Lunchbox", sagt Kiefer, und fügt hinzu: "Wir werden allerdings auch mit dem Caterer bezüglich Quantität und Qualität des warmen Mittagessens sprechen."
Grund für den Widerruf der Elterngenehmigungen zum Verlassen des Schulgeländes für Kinder von Klasse 5 bis 9 seien allerdings ausschließlich Haftungsfragen gewesen. Nun, nachdem das Werner-Heisenberg-Gymnasium seine Cafeteria hat, gibt es keine Ausnahmegenehmigung mehr, die rechtlich haltbar ist. Bleibt nur noch ein Problem: die Platzkontrolle.