Percussion-Spektakel auf Mülltonnen

WHG-Jazzkonzert 2012

Weinheimer Nachrichten vom 24.05.2012

Percussion-Spektakel auf Mülltonnen

"120 Liter" heißt das Percussion-Spektakel auf Mülltonnen, das beim großen Schülerkonzert des Werner-Heisenberg-Gymnasiums das Publikum begeisterte. Bild: Hofmann

Was beim Betreten der Aula des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) spontan ins Auge fällt, sind zwei imposante Großbildleinwände rechts und links der Bühne. Eine so perfekte Sicht auf das Bühnengeschehen gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal. Doch die zahlreichen Musiker sind im Laufe des Konzertes auf dem Bildschirm nicht nur in Aktion zu sehen, es sind auch witzige Filmeinspielungen entstanden, in denen die Musiker einzeln vorgestellt werden.

Einfach großartig, was die Video-AG unter der Leitung von Simon Maier hier an kreativen Ideen eingebracht und in die Tat umgesetzt hat. Aber auch die Technik-AG unter ihrem Leiter Günter Ochs leistete Hervorragendes. Die Schüler kümmerten sich sowohl um das Anbringen von Traversen samt Scheinwerfern und Lautsprechern als auch um die Lichteffekte und die Tonsteuerung.

Unter der bewährten Leitung von Uli Kammerer demonstrierten die Musiker der "Little Big Band" und danach die "Jazzband" an zwei ausverkauften Abenden, welch großartige musikalische Leistungen ihrem Bandleader und ihrem eigenen Fleiß verdanken.

Junge Improvisationstalente

Die 23-köpfige "Little Big Band" besteht aus Schülern der Klassen 5 bis 9. "Es macht einfach Spaß, zu erleben, wie die jungen Musiker jetzt langsam damit beginnen, selbst zu improvisieren und nicht nur das zu spielen, was ich mit ihnen eingeübt habe", sagt Uli Kammerer begeistert. Man erlebt es gleich im ersten Stück "Say what", in dem Kerem auf den Gitarrensaiten, Jonas an der Trompete und Daniel an der Posaune begeisterten Beifall für ihre kreativen Soli erhalten. Bei Robert Johnsons "Sweet Home Chicago" improvisiert Helena auf der Klarinette und in der nicht einfach zu spielenden "Jazz-Toccata" überzeugen in einem Duett Charlotte mit der Querflöte und Hannah am Piano. Doch auch die aktuellen Charts kommen nicht zu kurz mit dem beeindruckenden Auftritt von Lara, die "Some One Like You" von Adele zur Piano-Begleitung singt.

Lena gewinnt das Schul-Casting

Nach "Dirty Dozen" gibt es größere Umbauarbeiten. Eine Holzbühne wird vor der großen Bühne aufgebaut, auf der die erste Teilnehmerin des Schul-Castings, Anna aus der 6. Klasse, ihre mitreißenden Stepp-Künste zeigt, bevor die zehnjährige Lena, unter der Piano-Begleitung ihrer Mutter, Katy Perrys "Part Of Me" singt und die Frage aufwirft: Wie wird sich diese jetzt schon kräftige Kinderstimme noch entwickeln? Vier Freundinnen aus der 6a legen eine großartige Kür auf Einrädern hin. Und doch zeigt am Ende das Applausometer mit 86,7 Dezibel die kleine "Katy Perry" als Siegerin an. Souverän moderiert wird das Ganze von den Schülersprechern Patricia Kain und Amin Maya.

Außer Konkurrenz tritt der Gitarrist und Liedermacher Patrik Wilhelm aus der Oberstufe auf. Er begeistert mit seiner Eigenkomposition "Tell Me A Story", zu der ihn Uli Kammerer auf dem Sopran-Saxophon begleitet.

Nach der Pause läutet die 39-köpfige "Jazzband" des WHG mit "Boogie Lou" die zweite Halbzeit ein. Ein paar einfallsreiche Soli mit Nadine (Altsaxophon), Simon und Maria (Trompete) sowie Milos und Katalin (Piano) werden mit lauten Begeisterungsrufen belohnt. Brillant und ausdrucksstark spielt ein weibliches Saxophon-Quartett Scott Joplins "Maple Leaf Rag". Eine große gesangliche Leistung bieten dann Patricia Kain und Katalin König mit dem Song "Rehab" in Erinnerung an die große Amy Winehouse.

Mit einem langsamen Klezmer, gespielt von Diana (Klarinette) und Katharina (Piano) wird an die gemeinsame Abschlussreise der Abiturienten nach Israel erinnert. "28 Schüler werden jetzt nach acht Jahren die Band verlassen", erklärt Uli Kammerer traurig. Dann erleben die begeisterten Zuschauer noch einmal präzises Rhythmus-Gefühl und großartige Soli, unter anderem von dem begabten Gitarristen Manuel Michler in dem Jazz-Traditional "Mercy - Mercy".

"Welche Schule hat schon einen Hausmeister, der so wunderbar Trompete spielen kann?" Damit kündigt der Bandleader den sympathischen Glatzkopf und bemerkenswerten Trompeter Mike an. Obwohl sämtliche musikalischen Darbietungen dieses dreistündigen Konzertes stehenden Applaus verdienen, muss eine ganz besondere Percussion-Performance hier als Höhepunkt bezeichnet werden.

Sie trägt den eigentümlichen Namen "120 Liter" und ist die Maßeinheit von großen Mülltonnen, die von einer Schülergruppe im Rhythmus auf und zu geschlagen und dann mit Trommelstöcken bearbeitet werden. Eine weitere Gruppe trommelt auf Blecheimer ein und anschließend kommen noch die Deckel als Schlaginstrumente dazu. Ein gewaltiges Rhythmus-Spektakel, vom Pizzicato bis zum Staccato, beginnt, geht in Kopf und Beine, entfacht wahre Begeisterungsstürme und erinnert ein wenig an die berühmte Rhythmus-Revue "Stomp". Applaus gibt es am Ende laut, heftig und lang.

Die logische Schlussfolgerung sind ein paar Zugaben. Mit "Bei mir bist du scheen" und "Clocks" endet ein Konzert, bei dem man schon nach den ersten Nummern vergessen hatte, dass hier eigentlich Amateure auf der Bühne stehen. rav