Doppelter Jahrgang in Sinfoniestärke

WHG- Jahreskonzerte 2012

Weinheimer Nachrichten vom 09.03.2012

Wo liegen die Grenzen des Machbaren, wo vor allem des Leistbaren? Diese Frage muss, bei aller Bewunderung für die Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, nach den beiden Jahreskonzerten in der Stadthalle gestellt werden. Mit einer bisher noch nicht dagewesenen Energieleistung wurde die Aufführung von Modest Mussorgskis Jahrhundertwerk "Bilder einer Ausstellung" ins Zentrum gerückt; ein Werk, das bezüglich seiner unterschiedlichen Klangfarben und wechselnden Tempi höchste Anforderungen an weit über 70 Instrumentalisten stellte.

Martin Lehr, der schon bei der Instrumentierung des Werkes für die Heisenberg-Besetzung Enormes vollbracht hatte, führte Bläser, Streicher und Schlagwerk rund 40 Minuten lang mit höchster Konzentration durch die musikalischen Tiefen und Untiefen Mussorgskis. Manchmal schlingerte das Schiff ein wenig, aber am Ende fuhr es musikalisch prachtvoll durch das große Tor von Kiew, wie das letzte der 16 Kompositionsstücke bezeichnet wird. Kaum zu glauben, dass man erst auf der Musikfreizeit in Weikersheim mit dem Einstudieren begonnen hatte. Respekt, dass Schüler trotz schwerem Schulalltag auch hier an ihre Grenzen der Belastbarkeit gehen. Lehr sah angesichts des Doppel-Abijahrgangs die Chance, die "Bilder einer Ausstellung" zu realisieren und damit ein besonderes musikalisches Zeichen des Heisenberg-Gymnasiums zu setzen.

Das gesamte Konzert lebte von Masse und Klasse einer Schülerschaft, die in allen Programmteilen besondere Akzente setze, geleitet von erfahrenen Lehrkräften. So gewann das Blockflötenensemble von Edeltraud Körber durch Kontrabass -Begleitung noch mehr an homogenem Klangbild. Eigentlich muss man sich fragen, warum es erst in diesem Jahr zu einem musikalischen Zusammenspiel zwischen Flöten und den beiden von Silke Winkler und Juliane Oberst geleiteten Chören kam. Japanische Weisen des Nachwuchschores wurden so noch zauberhafter, Dowland-Lieder noch eindringlicher und von traumhafter Gestalt, der Friederike Rhein solistischen Glanz verlieh.

Uraufführung

Auch im zweiten Teil des durch die Mussorgski-Aufführung auf drei Stunden angewachsenen Programms sorgten die Heisenberg-Schüler für außergewöhnliche Glanzlichter. Wilfried Althammer dirigierte das Streichorchester mit höchster Präzision durch eine Uraufführung. Das Besondere: der Komponist der beiden Choral-Teile, Wolfgang Schröter, erlebte als Heisenberg-Lehrer die Uraufführung als Teil des Orchesters mit. Besonders der zweite Teil der Streicher-Version ließ unzweifelhaft den Jazz-Spezialisten Schröter erkennen, der seit zehn Jahren mit seinem Kollegen Uli Kammerer mit dem Projekt "Orgel & Sax" für Schlagzeilen sorgt.

Kammerer war zum Ausklang des Programms als Leiter der Little Big Band und der großen Jazz Band ein wahrer Tausendsassa. Erst schmiss er den Rhythmusmotor seiner Nachwuchsband an, dann brachte er für seine Solisten die Mikros richtig in Position. Sie dankten es, einschließlich der Sängerinnen Patrizia Kain und Katleen König, mit satten, mitreißenden Arrangements. Auch im Jazz glänzt der Jahrgang durch Masse und Klasse. dra