Ehemaliger Schüler kehrt als Professor zurück

Rhein-Neckar-Zeitung vom 06.02.2012

Prof Dr Stephan StetterWeinheim. (keke) Der Nahe Osten, seine Vielfalt und Geschichte haben ihn schon während seiner Schulzeit fasziniert, be-kennt Professor Dr. Stephan Stetter am Freitagabend vor gut 100 Zuhörern in der Aula des Werner-Heisenberg-Gymnasi-ums. Bereits am frühen Morgen hatte der 39 Jahre alte Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Konfliktfor-schung an der Bundeswehr-Universität in München mit etwa der gleichen Anzahl von Oberstufenschülern über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern diskutiert.
1992 hatte Stetter am WHG Abitur gemacht. Jetzt kehrte er auf Einladung des Freundeskreises Weinheim-Ramat Gan zurück, um, so Vorsitzender Albrecht Lohrbächer, in "turbulenten Zeiten für Israel" über dessen aktuelle "Chancen und Gefahren von innen und außen" zu berichten. Durch die partnerschaftlichen Beziehungen zu Israel und dem regelmäßigen Schüleraustausch mit Jugendlichen aus Ramat Gan sei auch Weinheim in den Konfliktbereich eingebettet, hatte Lohrbächer zuvor klargemacht.
Seine erste Begegnung mit Israel erfolgte seinerzeit im SMV-Zimmer anlässlich der Begrüßung von Schülern aus Ramat Gan, erinnerte sich der ehemalige Schulsprecher. Von 1996/97 studierte Stetter an der hebräischen Universität in Jerusalem Nahostforschung: "Diese Zeit hat mich geprägt". Für Stetter wichtig herauszustellen: Israel sei ein demokratischer Staat, den lange Zeit eine starke Versöhnungsbereitschaft nach außen kennzeichnete. Die aktuelle Krise des Friedensprozesses sei ein Ergebnis der Enttäuschung über einen "Friedensprozess, der nicht funktioniert hat".
Dass der Konflikt eine territoriale Dimension aufweist, sieht Stetter unter anderem darin begründet, dass alle Orte sowohl eine jüdische, als auch eine arabische und eine palästinensische Geschichte haben. Er verhehlte nicht, dass dem israelisch-palästinensischen Konflikt eine globale Bedeutung für die Sicherheit Europas und der Welt innewohnt. Mit der Folge, dass die EU angesichts der Umbrüche in den arabischen Staaten ihre Beziehungen auf neue Beine stellt.
Für den Nahostexperten stellt die Zwei-Staaten-Lösung und eine damit verbundene "regionale Integration" mit einem lebensfähigen sowohl jüdischen als auch palästinensischen Staat ein realistisches Ziel dar, das er "am Horizont heraufdämmern" sieht. Trotz vieler Gegensätze innerhalb der Religionen, Nationalitäten und Territorialansprüche seien die verschiedenen Gesellschaften mittlerweile doch zusammengewachsen.
Israel schlägt insbesondere wegen seiner Siedlungspolitik und zunehmend radikaler junger Siedler ("Hügeljugend") auch von den europäischen Gesellschaften eine zunehmend kritische Haltung entgegen. Ein fortgesetzter Siedlungsbau mache eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich, die Gefahr der Isolation wachse, so Stetter. Auf der anderen Seite seien alle Friedensbemühungen ohne eine Einstellung der terroristischen Gewalt gegenüber Israel zum Scheitern verurteilt. Hinzu komme die fragile Lage in vielen arabischen Staaten als enorme Herausforderung für Israel sowie eine Verhärtung der Beziehungen zur Türkei. Ein Angriff auf den Iran, so Stetter, hätte für Israel "verheerende Folgen".
In seinem Fazit warnte er davor, dass zu wenig über wirkliche Alternativen diskutiert werde. Die Chance für Israel liegt nach Ansicht Stetters darin, dass der Vielschichtigkeit und den Friedensbemühungen des Staates wieder mehr Platz eingeräumt wird.