Japan ein Stück näher bringen

Weinheimer Nachrichten vom 16.11.2011

"Ich möchte an diesem Nachmittag nicht nur helfen, sondern allen ein abwechslungsreiches Programm bieten und Ihnen Japan etwas näher bringen", begrüßte Mizue Kishimoto-Angres alle Besucher zum Benefiz-Konzert am Samstag in der Aula des Werner-Heisenberg-Gymnasiums - und es sollte ihr gelingen. Bereits zum zweiten Mal veranstaltete die gebürtige Japanerin, die bereits seit 1972 in Deutschland lebt und sowohl Japanisch an der Volkshochschule unterrichtet, als auch die im kommenden Schuljahr voraussichtlich erneut stattfindende Japan-AG am Gymnasium leitet, eine Benefizaktion für Japan.

Benefiz für Japan 2011

Sanft und anmutig präsentierte Senyumeji Nishikawa beim Benefizkonzert im Werner-Heisenberg-Gymnasium japanische Tänze. Der Erlös ist für ein Kinderheim in Oofunato bestimmt. Bild: Schilling

Der Erlös des Nachmittags in Höhe von 765 Euro geht an das Taiyogakuen-Kinderheim in Oofunato, in dem rund 80 Kinder leben. Die Küstenstadt wurde durch Erbeben und Tsunami zerstört. Bewegende Bilder aus Zeitschriften, die in der Aula auslagen, zeugten vom Ausmaß der Katastrophe im März 2011.

Eingeleitet wurde das Programm von der Kunsthistorikerin Susanne Kohlheyer, die über die Einflüsse der japanischen auf die europäische Kunst referierte. Nach einer 200-jährigen Isolation begann Japan um 1850 sich Europa gegenüber zu öffnen. Europa seinerseits hatte großen Nachholbedarf an Kunst und Kultur dieses fernen Landes. So entschied sich eine Gesandtschaft aus Japan zur Teilnahme an der Weltausstellung 1862 in London in traditioneller Kleidung und machte Furore.

In Paris und anderen großen Metropolen galt es bald als "schick", sich mit japanischer Kunst und Antiquitäten zu umgeben. Künstler begannen japanische Holzschnitte zu sammeln, die in Japan keine sehr hohe Beachtung mehr fanden. Sie wurden vielfach als "Verpackungsmaterial" genutzt und kamen auf diesem Wege nach Europa. Schon bald übernahmen Maler wie Vincent van Gogh Prinzipien der japanischen Kunst - etwa Bilderserien, in denen verschiedene Augenblicke festgehalten wurden.

"Mit geradezu revolutionären Bildausschnitten machten sich Künstler wie Paul Gaugin um 1890, als er auf einem Bild einer Frau den Kopf abschnitt, keine Freunde", berichtete Kohlheyer. Auch am Jugendstil mit der Betonung von Flächen, Ornamenten und Arabesken gingen die japanischen Einflüsse nicht spurlos vorüber.

In einem klassischen Tanz zu traditionellen Klängen und mit typischer Kleidung interpretierte Senyumeji Nishikawa sanft, anmutig und fast schwebend, die "Leidenschaft zu einem Mann". Zum Abschluss spielte das Flötensensemble aus zehn Schülern und einem Lehrer unter der Leitung von Edeltraud Körber, begleitet von einem kleinen gemischten japanischen Chor die Stücke "Kleinen Herbst gefunden", "Lied von der Mutter" und ein "Wiegenlied". Nach diesem umfangreichen Kunstgenuss, nutzten die Gäste die Gelegenheit an einem reich bestückten Buffet Kostproben der japanischen Küche zu genießen und kleine Geschenkartikel aus Japan gegen einen Spende mitzunehmen. ist