Weinheimer Nachrichten November 2017

Den Arzt und den Piloten mit Fragen löchern

Berufsorientierende Gespräche am WHGWeinheim. Recht/Jura und Marke-ting/Werbung vor Informatik/Digitale Medien, Pilot, Architektur und Journalismus: So liest sich das Interessenranking von knapp 100 Oberstufenschülern, die sich bei den „Zwölften Berufsorientierenden Gesprächen“ des Rotary Clubs Weinheim (RCW) bei 29 Experten und Referenten aus zwei Dutzend unterschiedlichen Berufsfeldern Anregungen aus deren beruflichem Alltag und „aus erster Hand“ einholten.

Man wolle und könne keinen Ersatz für eine Berufsberatung bieten, so RCW-Präsident Manfred Müller-Jehle und Jean-Michel Asfour als Organisator der Gesprächsrunden gegenüber den Schülern. In der von beiden Seiten erhofften lebhaften Kommunikation mit den jeweiligen Berufsvertretern könnten die Jugendlichen dennoch wertvolle Erkenntnisse für die Verwirklichung ihres Berufswunsches gewinnen – oder davon Abstand nehmen. Müller-Jehles Appell: „Nutzen Sie diese Chancen. Sie waren selten besser!“

Das zahlenmäßig stärkste Schülerkontingent stellte naturgemäß das gastgebende Werner-Heisenberg-Gymnasium. Doch auch Schüler aus dem Dietrich-Bonhoeffer-Schulverbund, der Hans-Freudenberg-Schule, aus der Helen-Keller-Schule und aus dem Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach nutzten die Gelegenheit zur Information.

Heisenberg-Schulleiterin Gabriele Franke hatte die „Hörenden und Fragenden“ begrüßt und auf die lange Tradition der „theoretisch wie lebenspraktisch wertvollen und ertragreichen“ Berufsorientierenden Gespräche hingewiesen. Hilfreich seien nicht nur Fragen zum Berufsbild und zu Verdienstmöglichkeiten, sondern auch zu Vor- und Nachteilen mit Blick auf die künftige Entwicklung der Arbeitswelt.

Vielleicht handele es sich ja doch nicht um die richtige Wahl, wenn erst der Alltag auf einen einstürmt. Es sei einfacher, sich rechtzeitig von Illusionen zu verabschieden, als später die Berufswahl zu bereuen.

Auch er habe vier verschiedene Berufswege ausgefüllt und „wollte keinen meiner Berufe missen“, nahm Müller-Jehle die Angst vor einem Scheitern im Wunschberuf. Die Gymnasiasten könnten in den meisten Fällen davon ausgehen, dass der Studiengang, den sie wählen werden, und der damit verbundene Beruf sie nicht bis zu ihrer Pensionierung begleiten wird. Die Konsequenz daraus: „Je mehr Sie Ihren Horizont erweitern, umso besser. Die Vielfalt macht’s.“

In drei jeweils halbstündigen Gesprächsrunden ging es ins Detail. Lufthansa-Pilot Holger Hördt, mit 12 000 Flugstunden ein „alter Hase“ im Geschäft, räumte mit den romantischen Mythen des Berufsfliegers auf. Er bedauerte, dass lediglich knapp fünf Prozent der Piloten bei der Lufthansa weiblich sind und verwies auf die hohen Belastungen für das Familienleben. Dennoch: Trotz aller angeeigneten Routine werde es nie langweilig: „Du kommst in Gegenden, von denen du vorher nicht einmal gewusst hast, dass es sie gibt.“

Englisch, Deutsch, Physik, Mathe, logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen seien die Grundvoraussetzungen für eine Pilotenkarriere.

„Man weiß nie, was der Tag bringt, denn Menschen sind rund um die Uhr krank.“ Das von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur Intensiv- und Sportmedizin reichende „unglaublich breite Spektrum“ der Medizin schilderte der Chefarzt an der GRN-Klinik, Professor Christoph Eisenbach. „Sie müssen eine dienende Persönlichkeit haben“, warnte Eisenbach zugleich vor Fortbildungsstillstand. „Medizin, die ich heute mache, hat nichts mit der zu tun, die ich vor 15 Jahren gelernt habe“, sagte er.

Werbung sei immer auf ein konkretes Produkt bezogen. Unter Marketing verstehe man eine langfristig ausgerichtete Strategie, die sich nicht auf einzelne Produkte ausrichtet, sondern sich auf ganze Produktlinien oder Marken bezieht, brachte Rotary-Clubmeister Nico Steffen Beck den Unterschied auf den Punkt.

Und die Jugendlichen? Sie hätten „wahnsinnig viel“ von der persönlichen Begegnung mit den Referenten gelernt, lautete hier die überwiegend positive Rückmeldung. Vor allem deshalb, weil einige falsche Vorstellungen noch rechtzeitig korrigiert wurden. rcw