Bunter Spaziergang: Schüler der Weinheimer Gymnasien organisieren eine Neuauflage

/ Jugendliche treten ein für eine offene und tolerante Stadtgesellschaft ein

Bunter Spaziergang

Weinheim, WNOZ 17.07.2017

Der Name ist Programm: Mit bunter Kreide wurde der dunkle Asphalt im Schlosspark verschönert, während auf der Wiese nebenan Bands spielten. Es war der fröhliche Abschluss des Bunten Spaziergangs, der gestern von den SMV-Vertretungen der Weinheimer Gymnasien veranstaltet wurde. Bilder: Sascha Lotz

Weinheim. Normalerweise werden Traditionen meist von älteren Jahrgängen gepflegt. In Weinheim ist das etwas anders. Hier veranstalteten Schüler der Weinheimer Gymnasien gestern Abend eine neue Auflage des "Bunten Spaziergangs" in Weinheim, in dessen Verlauf 80 Teilnehmer vom Mahnmal im Stadtgarten über den Marktplatz bis zum Schlosspark zogen. Dort fand zum Abschluss ein kleines Musik-Festival statt, um den Spaziergang mit seinem durchaus ernsten Hintergrund mit etwas Buntem und Fröhlichem enden zu lassen.

Von dem mittlerweile auch preisgekrönten Bündnis "Weinheim bleibt bunt" wurden die Spaziergänge ins Leben gerufen, damals ging es vorrangig um den Protest gegen die angekündigten und letztendlich auch durchgeführten Parteitage der NPD in der Stadthalle. Diese sind in der Stadthalle, aber auch im Rolf-Engelbrecht-Haus nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss nicht mehr möglich, Gründe für das Eintreten für eine tolerante Stadtgesellschaft gibt es aber immer noch; das wurde gestern gleich mehrfach in den verschiedenen Redebeiträgen deutlich.

Gerade die Geschehnisse rund um den G20-Gipfel in Hamburg oder auch das Nazi-Festival im thüringischen Themar, bei dem auch ein ausgewiesener Holocaust-Leugner und wegen Volksverhetzung Verurteilter aus Weinheim aktiv war, zeigten deutlich, "wie wichtig es ist, ein Zeichen des Miteinanders aus der Mitte der Gesellschaft heraus zu setzen", sagte Iván Furlan Cano von der SMV der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Aber nicht nur mit Blick auf Großereignisse, sondern auch vor der eigenen Haustür müsse dies geschehen. Denn eine tolerante und solidarische Gesellschaft gebe es nicht zum Nulltarif, jeder dürfe und müsse seinen Beitrag dazu leisten. Daher richtete er seinen Blick auch auf die Aktivitäten der rechtspopulistischen AfD, die unter anderem am 6. September Wahlkampf im Alten Rathaus in Weinheim macht. "Hier muss man anfangen, aufstehen und ganz klar sagen; Weinheim ist tolerant und weltoffen und Leute wie euch möchten wir nicht in unserer Stadt haben." Fabian Heymann von der SMV des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, wie sein Vorredner auch Mitglied des Jugendgemeinderates, legte den Fokus auf das Schubladendenken vieler Menschen, die andere nur aufgrund ihres Aussehens beurteilen. Vieles liege im Auge des Betrachters, wobei das Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft helfen könne, schon früh Ressentiments zu begegnen.

Rebecca Godau und Miriam Ott vom Jugendgemeinderat nahmen den Faden auf, forderten vor allem ihre Altersgenossen auf, offen für andere Menschen aus anderen Kulturen zu sein, geflüchteten Menschen Schutz zu bieten und dabei auch einzustehen für seine eigene Meinung. Am Beispiel der Ehe für alle, die für ihre Generation hoffentlich schon bald selbstverständlich sei, skizzierten sie ein offenes Zugehen auf andere Menschen, ein Zugewandtsein ohne Vorurteile. "Es geht um den Zusammenhalt aller Menschen und dabei ist es wichtig, sich gegenseitig zu helfen", stellten sie fest. Der Spaziergang führte schließlich in den Schlosspark, wo der Abend im Rahmen eines musikalischen Happenings ausklang, unter anderem mit Gruppen wie der "Bääänd", den Jungs von "Disaffection" sowie Luisa Bökenfeld und ihrer Band. Mit bunter Kreide wurden die Fußwege verschönert, der Verein "WieGewohnt" machte Werbung in eigner Sache für ein Jugendzentrum und am Ende blieb nur eine Frage offen: Warum waren gestern nur verhältnismäßig wenig Schüler mit dabei? sf

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