Junge Talente und ein Haufen Lehrer

Weinheimer Nachrichten 03.06.2017

Bandnight

Gerade eben hat Michael Maurer der kleinen Big Band wichtige Einsätze gegeben, die sich steigernde Dynamik der Bläser angezeigt und dazwischen kurzerhand für den verzweifelten Drummer das klemmende Fußpedal der Pauke am Schlagzeug repariert. Jetzt, nach dem umjubelten Auftritt der Kleinsten, ordnet er die Noten für die „Heisenberger“, die 30-köpfige große Jazzband des Gymnasiums, und beantwortet trotzdem ganz entspannt Fragen der Big Band-Mitglieder. Woher nimmt dieser Musiklehrer nur seine Kraft?

Er gibt an diesem Abend bei der Band Night des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in der vollkommen ausverkauften „Alten Druckerei“ selbst die Antwort. Maurer lässt sich von der Musik beflügeln, steckt die Schülerinnen und Schüler mit seinem Spirit an, fackelt nicht lange und holt aus den Ensembles an verschiedenen Stellen etwas Besonderes heraus. „Hebt die Trompeten“, zeigt er nach hinten an, und schon legen sich die Betroffenen noch ein bisschen mehr ins Zeug als ohnehin schon.

Kein Zweifel: Das Fundament einer jeden Big Band – die Rhythmus Section – steht wie eine Eins. Mehr noch: Sie zieht alles mit, was ein Saxofon, eine Trompete oder gar ein Horn in der Hand hält. Solistische Einsätze werden vom begeisterten Publikum beklatscht, und längst ist die Zeit vorbei, als ein Big Band Konzert vorwiegend aus Swing bestand. Den können die Heisenberger zwar auch, aber pudelwohl fühlen sich Ben Rehberger und Nick Ames, wenn sie zusammen „Ich und mein Holz“ singen und das Publikum im Reggae-Rhythmus wippen lassen. Zuvor haben Rehberger und Helena Smith schon mit „Astronaut“ von „Sido“ für ein paar Grad mehr im Raum gesorgt.

Hier schickt sich der Nachwuchs an, in die Fußstapfen junger Talente zu treten, die an diesem Abend noch zahlreich und von der Technik-AG ins rechte Licht gesetzt, auf die Bühne kommen. Da begeistert „The Blast“ bei „Stray Heart“ von „Green Day“ mit Sängerin Lena Schaden, Schlagzeuger Leon Hehn, Gitarrist Fabian Metschies und den Pianisten Charlotte Baumann und Rocco Vespa.

Unglaubliche Bühnenpräsenz zeigt die Frauenband „Unconventional Contrarians“. Dass die vier Abiturientinnen Aila Farley (Bass), Safina Rehberger (Gesang), Senja Kawohl (Gesang) und Sian Farley (Cello) noch kaum öffentliche Auftritte hatten, ist ihnen überhaupt nicht anzumerken. Sie haben vor allem ein Gespür für die richtige Liedauswahl. Minimalistische, aber berührende Instrumentierung mit guten Texten lassen sie abseits jeglichen Mainstreams punkten; beispielsweise mit dem fantastisch gesungenen „River“ des französisch-kubanischen Musikduos Ibeyi.

Bei dieser Band Night folgt tatsächlich eine Überraschung nach der anderen. Neben der musikalisch variablen und glänzend harmonierenden Big Band „Die Heisemer“ bleibt auch Céline Erdösi mit ihrer kraftvollen Soul-Stimme in Erinnerung. Kurz zuvor haben sich Teile der Big Band zusammen mit den afrikanischen Trommlern Adama Njie, Assen Gobe und Njogu Mbye vor der Bühne postiert und feuern ein extatisches Trommel-Gewitter ab, das Begeisterungsstürme hervorruft. Michael Maurer hatte den Kontakt von Lilli Leutner, ehrenamtliche Helferin in der Flüchtlingsarbeit, genutzt und mit den Trommelkünstlern einen Workshop in der Schule veranstaltet. Das Ergebnis lässt die „Alte Druckerei“ ebenso beben wie der abschließende Auftritt des „Lehrerhaufens“.

Da zeigt auch Maurer selbst, was er am Schlagzeug drauf hat. Mayc Mayer spielt die Trompete, Silke Winkler sitzt am Klavier, Konrad Fink zupft den Bass, mit Simon Maier und Christian Scheuermann gibt es gleich zwei Gitarristen, Matthias Harbarth ist am Saxofon und Maria Di Miceli singt. Dass Charlotte Gutzler die Querflöte spielt, beschert dem „Lehrerhaufen“ eine dem Original zum verwechseln ähnliche Interpretation von Jethro Tulls Welthit „Locomotive Breath“.

Da kommt nach Bourée (erneut Jethro Tull) und „Disko“ von Jan Delay nochmal gehörig Dampf und Fahrt auf. Am Ende der langen Band Night, die wieder vom Förderverein „Gym“ unterstützt wurde, gibt es nur strahlende Gesichter. dra