Kosovo - Eine Schulpartnerschaft des WHG und der Dituria-Schule

von Jaqueline Fünkner, Kursstufe 2 , im Dezember 2012

Am 17. Februar 2008 entstand mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo der jüngste europäische Staat. Momentan ist dies ein sehr aktuelles politisches Thema. Auch unsere Schule beschäftigt sich mit dem Kosovo und hat bereits 2009 einen ersten Austausch zwischen der Dituria-Schule in Orloviq und des WHG organisiert. Der „Motor des Ganzen" ist ein Musiklehrer des Werner-Heisenberg Gymnasiums, Herr Wilfried Althammer.

Geografisch findet sich der Kosovo auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Einst war er Teil der Bundesrepublik Jugoslawien und ab 2003 eine Teilregion der Republik Serbien.

Zunächst möchten wir Ihnen einen allgemeinen Überblick über die Geschichte des Kosovos, sowie die aktuelle Situation bieten.
Ab 1455 stand der Kosovo ganz unter osmanischer Herrschaft. Als das Osmanische Reich während der Balkankriege immer weiter zurückgedrängt wurde, schufen die europäischen Großmächte Österreich-Ungarn, das Deutsche Reich, sowie das Russische Reich, Großbritannien und Italien 1912 den albanischen Staat. Dabei blieb jedoch unter anderem der Kosovo unberücksichtigt, wodurch die Albaner zu einer Minderheit wurden. Seit diesem Zeitpunkt ist der Wunsch nach Wiedervereinigung und Selbstbestimmung eine treibende Kraft.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Kosovo Teil des neuen jugoslawischen Staates, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Jedoch sah ein Großteil der Serben die Albaner als Störfaktor an, wodurch diese von den Serben von Anfang an schweren Repressalien ausgesetzt wurden. So wurden beispielsweise sowohl albanische Schüler, als auch Lehrer von den Schulen ausgeschlossen. Die Albaner reagierten mit einem Kleinkrieg gegen Polizei und Armee.
Nach der Kapitulation Jugoslawiens 1941 im Zweiten Weltkrieg änderten sich jedoch die Machtverhältnisse im Kosovo. Fast der gesamte Kosovo wurde Teil des von den Nazis übernommenen „Großalbaniens". Es kam zu Racheakten der Albaner, bei denen etwa 20.000 Serben fliehen mussten und auch viele getötet wurden.
1989 erreichte die Gewalt an den Albanern ihren Höhepunkt: Es kam zu vielen Entlassungen sowie Schulschließungen. Durch die Serben wurde viel Gewalt und Tod in den Kosovo gebracht. Daher kommt der Wunsch nach einer kompletten Trennung von Serbien auf, der schließlich am 12. Juni 1999 mit Hilfe der NATO und vieler Städte der ganzen Welt erfüllt wurde.
Selbst nach der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 2009 erkennt Serbien die Etablierung des Kosovo nicht an und versucht diese dadurch zu unterbinden.
Das heutige Regierungssystem im Kosovo ist vergleichbar mit dem deutschen. Um eine Verfassung zu erarbeiten, die die Anerkennung durch weitere Länder bewirken soll, arbeitet der Kosovo eng mit vielen europäischen Ländern und den USA zusammen.

Im Oktober 2012 fand nach dem zweiten Besuch einer kosovarischen Delegation in Weinheim ein Informationsabend im Bürgersaal des Alten Rathauses statt. Auf diesen wurden verschiedene, sehr informative Referate zu den Themen Bildung, Politik und Gesellschaft im Kosovo gehalten. Nachfolgend finden Sie einen zusammenfassenden Artikel zu dieser Veranstaltung.

Besuch in Weinheim 2012

Am Montag, den 1. Oktober ging der dreitägige Besuch einer Delegation aus Orloviq/Pristina in Weinheim mit einem Informationsabend im Bürgersaal des Alten Rathauses zu Ende. Seit 2009 besteht der von Wilfried Althammer initiierte Austausch des Werner-Heisenberg-Gymnasiums mit der Dituria-Schule in Orloviq. Es war bereits der zweite Besuch einer kosovarischen Delegation in Weinheim.
Anwesend waren neben dem Bürgermeister von Orloviq, Bajram Borovci, der Staatssekretär des Bildungsministeriums, Mehdi Ademi, einige Lehrer, darunter Zejnullah Halili, ein Mathematiklehrer, und auch die Verbindungsperson im Kosovo, Fatmir Nimani.
Mehdi Ademi gab zunächst einen Einblick in die schulische Bildung vor und nach dem Krieg 1998. Albanische Schüler und Lehrer wurden unter der serbischen Hoheit aus den Schulen ausgeschlossen, die albanische Sprache wurde unterdrückt. Doch diese gaben nicht auf und unterrichteten in Häusern, die von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden.
Inzwischen findet der Unterricht in der Regel in albanischer Sprache statt, da mehr als 92 % der Einwohner Kosovos Albaner sind. Minderheiten lernen jedoch in ihrer eigenen Sprache. Dies wird gesteuert vom Bildungsministerium, das sich an internationalen Standards orientiert. Dabei ist auch der Austausch mit dem WHG und anderen Schulen hilfreich. So erfahren die Schulen Kosovos eine Weiterentwicklung durch deren Methoden und Möglichkeiten. Allerdings ist noch sehr viel Arbeit zu leisten, um die Schulen auf den europäischen Stand zu bringen. Trotzdem hat sich die Infrastruktur im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg deutlich verbessert. Kosovo ist der jüngste Staat Europas, wobei Deutschland zu dessen Anerkennung sehr viel beigetragen hat. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung 1913 geteilt, herrscht in Kosovo ein großer Wille zur Unabhängigkeit. Nachdem 1989 der Höhepunkt der Gewalt der Serben an den Kosovoalbanern erreicht war, trennte sich der Kosovo vollständig von Serbien. Mit Hilfe der NATO war der serbische Einfluss am 12. Juni 1999 aus Kosovo weitgehend zurückgedrängt. Kosovo wurde als parlamentarische Republik ein souveräner Staat.
Jeweils im Anschluss an die Referate von Mehdi Ademi und Bajram Borovci über Bildungswesen und Politik beteiligten sie die Besucher, darunter viele Schülerinnen und Schüler, intensiv an der Diskussion. Abschließend berichtete Zejnullah Halili über Sport und Kultur. Durch die Politik werde leider die sportliche internationale Zusammenarbeit stark behindert, da Serbien die Föderation von kosovarischen Sportverbänden nicht anerkennt. Dadurch ist keine Teilnahme an Wettkämpfen außerhalb Kosovos möglich. Immerhin seien vier Verbände - Boxen, Karate, Tischtennis und Schach - inzwischen anerkannt.
Im kulturellen Bereich hingegen wird mit zwei großen Theatern, einer Philharmonie, verschiedenen kulturellen Vereinen und musikalischen Verbänden in Pristina sehr viel geboten und die kulturelle Tradition des Landes somit gut aufrechterhalten.

Der Abend schloss mit dem allseitigen Wunsch, den Austausch zum Nutzen beider Partner fortzusetzen und auszubauen.
Zusammenfassend stellte Moderator Dr. Adalbert Knapp von der Bürgerstiftung fest, dass der Kosovo in der Bildungspolitik und kulturell auf einem guten Weg sei. Allerdings gebe es noch viel zu tun, vor allem bei der materiellen Ausstattung.
Sein besonderer Dank galt der Dolmetscherin Viollca Bytyqi, die eine für sie ungewohnte Aufgabe souverän gemeistert habe.

Bürgerstiftung 2012

Nachbereitend zu diesem Informationsabend stellte sich Wilfried Althammer freundlicherweise zu einem Interview zur Verfügung, in dem er sich zu einigen interessanten Gesichtspunkte der Partnerschaft äußert.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?
Durch den Asylkreis Schriesheim. Ein katholischer Pfarrer erzählte uns von Asylbewerbern, die in Containern leben mussten, die sehr unsicher waren. Daraufhin habe ich mich mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Als mein Ansprechpartner Fatmir Nimani Deutschland verlassen musste, blieb unser Kontakt bis heute aufrecht erhalten. Durch unsere Zusammenarbeit entstand das gemeinsame Projekt des Werner-Heisenberg Gymnasiums und der Dituria-Schule in Orloviq.

Was haben Sie bisher erreichen können ?
Bisher konnten wir bereits vier Hilfstransporte in den Kosovo organisieren, bei denen insgesamt etwa 80 m³ Klamotten, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände transportiert wurden. Die Empfänger haben die Caritative Hilfsorganisation AVI- DONI gegründet, bei der unter anderem auch der Bürgermeister die Spenden verteilt. Dadurch kommt die Hilfe ohne Probleme an.
In der Schule wurden Wasserleitungen gelegt, neue Toiletten angeschlossen und ein neues Zimmer eingerichtet. Zudem konnten verschiedene Fachbereiche durch die Stiftung von Musikinstrumenten, Sportbällen und zwölf Computern abgedeckt werden.
Weiterhin konnten wir die Ambulanz in Pristina mit Medikamenten ausstatten und Renovierungsarbeiten an der Kindertagesstätte durchführen, sodass diese auch im Winter versorgt wird.

Wie oft waren Sie schon im Kosovo und welche Eindrücke konnten Sie dort sammeln?
Insgesamt war ich bereits fünf Mal im Kosovo. Was auffällt ist, dass kein sehr hoher Lebensstandard möglich ist. Etwa 60 bis 70% der Bewohner sind arbeitslos und erhalten durch ihren Landbesitz kein Geld vom Staat. Um ein Beispiel zu nennen erhält ein Lehrer im Kosovo etwa 250 bis 300€ monatlich. Auch die Pension mit nur 80€ monatlich ist sehr niedrig. Dazu kommt, dass die Lebensmittel sehr viel teurer sind als bei uns in Deutschland. Viele sind daher gezwungen, eigene Lebensmittel anzubauen. Etwa jeder dritte Kosovare erhält zudem Unterstützung durch Bekannte oder Verwandte aus dem Westen.
Momentan wird sehr viel gebaut, wie unter anderem auch die Mutter-Theresa Kathedrale in Pristina.
Mich hat eine sehr offene und lebendige Gesellschaft erwartet, wobei zu erwähnen ist, dass etwa 70 % der Bevölkerung noch im Jugendalter ist.

Was sind Ihre Haupttätigkeiten bei dem Partnerprojekt ?
Ich diene, neben Fatmir Nimani, als Verbindungsmann.

Glauben Sie, dass sich die Situation im Kosovo weiterhin entspannt ?
Die Situation muss sich weiterhin entspannen. Durch Kosovos Selbstständigkeit gibt es größere Investitionsmöglichkeiten aus dem Ausland. Dennoch herrschen im Kosovo keine mit unserer Situation vergleichbaren Bedingungen. Täglich gibt es etwa zwölf Stunden kein Wasser. Dieser Aspekt schreckt neben den häufigen Stromausfällen Investoren aus dem Ausland ab.

Gerne möchte ich Herrn Althammer meinen größten Respekt für das durch ihn ins Leben gerufene Projekt und ihm meinen Dank dafür aussprechen, dass er sich die Zeit genommen hat mir für das Interview parat zu stehen.

Zu Besuch im Kosovo