Sinnvoll nutzen statt verteufeln

FAIRständnis für neue Medien - Medienethik und Zivilcourage fördern

Weinheimer Nachrichten vom 17.04.2010

Sicht der Jugendlichen
Hätten die Organisatoren eine der gängigen Plattformen und sozialen Netzwerke im Internet, Facebook, Schüler VZ oder ICQ genutzt, vielleicht wären dann mehr Eltern der Einladung gefolgt. Diejenigen, die erschienen waren, nahmen jedoch mit regem Interesse an den Präsentationen teil. Nicht über Jugendliche zu sprechen, sondern dass Jugendliche selbst sprechen, erklärte Medienpädagogin Claudia Wierz den Ansatz. Als Medienexperten - wie die meisten heute 15-Jährigen - gaben Julia Kohler und Julian Schmitt Einblicke in eine Welt, die für viele Erziehungsberechtigte heutzutage Neuland ist.

Konzentrationsprobleme
Wenn ein Schüler alle gängigen Angebote im Netz nutze, so Wierz, bliebe nichts mehr übrig vom Tag. In der Tat nutzen Jugendliche oft mehrere Medien gleichzeitig. Der Sport- und Englischlehrer erklärte, er habe inzwischen Probleme an der Schule beobachtet, an einer Sache konzentriert zu arbeiten. Wegen der vielen Informationsquellen und -kanäle sei, der Mediepädagogin zufolge, auch Informationskompetenz wichtig. Darunter versteht man auch die Fähigkeit, herauszufiltern, was wahr ist und was notwendig. Mit dem Clip "How to be cool" haben die Schüler bewiesen, dass ihnen dies klar ist - zumindest was Werbestrategien betrifft.

Identität schützen
Die Vier Gymnasiasten hatten gemeinsam mit dem Internet-Medien-Coach Marco Fuchs einen Clip gedreht, der an diesem Abend präsentiert wurde. Darin gelingt es einem Jungen nicht, mit Markenartikeln bei den anderen anzukommen; weil schließlich "innere Werte" zählen. Ein weiterer wichtiger Punkt der Medienkompetenz betrifft den Umgang mit eigenen und fremden Daten. Julia Kohler präsentierte den Eltern anhand der Online-Community "Schüler VZ", wie Mitglieder ihre Identität schützen können, indem sie nicht zu viele Kontaktdaten oder Bilder von sich preisgeben. Problematisch wird es, wenn unerwünschte Nachrichten auf den Foren auftauchen. "Pinnwand-Kommentare" von "Nicht-Freunden", so Habarth, seien derzeit sein Hauptproblem als Verbindungslehrer.

Kreative Filme
Er selbst stellte die Video-Plattform You Tube vor und wies auf das Problem hin, wenn Schulwegvideos oder gar Lehrer ins weltweite Netz gestellt würden. Als Schüler begonnen hätten, im Unterricht zu filmen, sei das Handyverbot an der Schule eingeführt worden. Positiv sei es, Wierz zufolge, dass Jugendliche, wie die vier Weinheimer Schüler, auch bei You Tube kreative Filme einstellen, die sich mit medienethischen Themen auseinandersetzen. Auch Lehrer Habarth plädierte insgesamt dafür, die neuen Medien nicht zu verteufeln, sondern sie vielmehr sinnvoll zu nutzen. meh
Artikel vom: 17.04.2010