Stets ein Förderer und Forderer

Weinheimer Nachrichten vom 26.05.2010

Weinheim. Für ganze Schülergenerationen war er einfach der "Leo". Ein Vorzeige-Direktor, bei dem die Tür immer aufstand und der den Grundstein dafür legte, dass sich das heutige Werner-Heisenberg-Gymnasium in einer doch recht anspruchsvollen Gegenwart zu einer menschlich gestalteten Leistungsschule entwickeln konnte. Am vergangenen Samstag starb Dr. Fritz Leonhardt, wenige Tage nach seinem 93. Geburtstag.

Der Oberstudiendirektor kam 1954 an das damalige Gymnasium Weinheim, 1962 nahm er die Position des stellvertretenden Schulleiters ein. "Sie bekommen keinen Ja-Sager", soll er dem damaligen Rektor Dr. Haury gesagt haben. 1975 wurde Dr. Leonhardt Direktor des Gymnasiums, er öffnete der Humanität die Tür.

1983 ging er in den Ruhestand. Doch davon war nicht viel zu spüren, denn noch viele Jahre später leistete er mit zahlreichen Vorträgen einen wichtigen Beitrag zur Erwachsenenbildung.

Dabei führte er unter anderem die Suche nach der historischen Wahrheit eines Zeitabschnitts fort, den der 1917 in Colmar Geborene und 1921 im Zuge der Frankonisierung mit der Familie Ausgewiesene mit all seinen Schrecken selbst erlebte. Am Gymnasium Weinheim war er der erste Lehrer nach dem Krieg, der die jüngste deutsche Vergangenheit aufarbeitete - nicht alle Eltern waren damit einverstanden.

Dr. Leonhardt war ein Lehrer aus Überzeugung, der vor sieben Jahren in der Reihe "Weinheimer Lebensläufe" an der Volkshochschule erklärte: "Wenn ich wieder auf die Welt käme, wollte ich wieder Lehrer werden." Dabei förderte und forderte er, gab jungen Menschen mit großer Leidenschaft sein Wissen weiter. Pädagogik und neue Wege im Schulsystem bestimmten sein Arbeitsleben, 1966 arbeitete er beispielsweise in einer Planungsgruppe mit, die das Landesmodell einer integrierten Gesamtschule in Weinheim entwickelte.

Doch den Posten des Schulleiters nahm er nicht an, denn zwei Aspekte wurden seiner Meinung nach außer Acht gelassen: Auch an solch einer Schule müsse Leistung gefördert werden und Leistungsschwache und Leistungsstarke müssten gleichermaßen gefördert werden. Seine Sicht der Dinge ist heute aktueller denn je: Menschen sind gleichwertig, aber nicht gleich. Junge Menschen sollten Schulen besuchen, die ihrem Leistungsvermögen entsprechen. Und das Kriterium einer demokratischen Gesellschaft lautet nicht Chancengleichheit, sondern Chancengerechtigkeit. Der Gesellschaft fühlte sich Dr. Leonhardt auch 32 Jahre lang als Vorsitzender der Ortsgruppe Weinheim des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge verpflichtet. sf
Artikel vom: 26.05.2010