Entlarvt: Bob Marley ist ein Rock’n’Roller

Weinheimer Nachrichten vom 21.05.2010

Weinheim. Ein (zaghaft) singender Rektor und ein Musiklehrer im Rastafari-Outfit mit Bob-Marley-Shirt, der zur Elvis-Version von "Hound Dog" tanzt: Neben den "traditionellen" Auftritten hatten die Schüler und Lehrer des Werner-Heisenberg-Gymnasiums beim "Livemusik-Abend" noch so manches Ass im Ärmel.

Den Anfang in der Schul-Aula machte die Little Bigband mit Rhythmen, die die Zuschauer den Sommer herbeisehnen ließen. "La Bamba" stimmte das Publikum auf einen fast dreistündigen Musik-Abend ein. Kein Platz war freigeblieben auf der "Publikumstribüne" und die Luft erinnerte schon nach wenigen Minuten an ein Rock-Konzert in einem kleinen Club: warm und mit wenig Sauerstoff. Das passte aber hervorragend zum nächsten Lied: "Solid As A Rock". Herausragend bei den Jüngsten war einer der Kleinsten: Jonas - eine bunte Mütze auf dem Kopf und die Zieharmonika in den Händen - spielte voller Inbrunst sein selbst komponiertes Stück "Le château à Port Blanc". "Das Lied habe ich während eines Urlaubs in der Bretagne geschrieben", erklärte Jonas, bevor er mit seinen französischen Klängen loslegte. Unterstützung erhielt er von Uli Kammerer, dem Leiter der beiden Bigbands und der Jazz-, Rock- und Popabteilung des Heisenberg-Gymnasiums.
Dem Namen "Popabteilung" machte die Band "The Smarties" alle Ehre. Die fünf Musiker sorgten mit bekannten Hits wie "Breakfast At Tiffanys", "I’m All Over It" von Jamie Cullum und "This Love" von Maroon 5 für lautstarkes - und in den allermeisten Fällen rhythmisches - Mitklatschen des Publikums. Dass mitunter ein Instrument zu leise, ein anderes dafür zu laut war, war zwar für die Musiker schade, rief bei den Zuschauern dafür immerhin ins Bewusstsein, dass es sich um ein Schulkonzert handelte. Denn das konnte man angesichts der gebotenen Leistungen auf der Bühne - und zwar bei allen Gruppierungen - schnell vergessen.

Da machte auch die Weinheimer Weltpremiere der "Fünferkette" keine Ausnahme. Die Lehrerband brachte vor allem die Schüler im Publikum zum Jubeln. Wenn Matthias Harbarth erklärte, er sei "Just A Gigolo" und dann gemeinsam mit Kammerer eine Beatbox-Einlage hinlegte, tobte es auf den Bänken. So sieht man seine Lehrer schließlich nicht alle Tage.

Abgesehen von ein paar tontechnischen Ungereimtheiten rückte die Technik AG unter Leitung von Günter Ochs die Musiker allerdings stets ins rechte Licht. Und das ist ganz wörtlich zu nehmen, denn neben der gesamten Toninstallation kümmerten die Schüler sich auch um die Beleuchtung und die passenden Licht-Effekte. Den zweiten Teil des Abends bestritt, nach einer musikalischen Film-Vorführung der Video-AG im Stil der Rhythmus-Gruppe "Stomp", die "große" Bigband. Von Michael Jacksons "Earth Song" über "Negra Tiene Tumbao" und ein israelisches "Klezmer" bis hin zu "Mercy" von Duffy - die Bandbreite war groß und der Spaß den Schülern deutlich anzusehen.

Letzteres Stück gefiel besonders durch den gemeinsamen Gesang von Kathalin König und Patricia Kain. Dass sich das wochen- und monatelange Üben ausgezahlt hatte, machte beispielsweise das Saxophon-Stück "Ulla in Afrika" deutlich - die Musiker waren bestens aufeinander eingespielt. Eine optische Überraschung gab es dann, als Uli Kammerer als "Rastaman" für das Ska/Reggae-Lied "The Chariot" von "The Cat Empire" die Bühne stürmte.

Viele der Musiker stellten sich während der Stücke mit kurzen Solos vor - besonders stach hier Manuel Michler an der Gitarre hervor, der bei Stücken wie Santanas "Evil Ways" glänzte. Und bei "Black Horse & The Cherry Tree" durfte dann sogar Rektor Gerald Kiefer ein "Woohoo" ins Mikrofon hauchen. Dieser bedankte sich nach dem Konzert bei den AG-Leitern, den fleißigen Helfern und nicht zuletzt den Musikern für einen "atemberaubenden Abend". "Hier sieht man, dass Spaß, Arbeit und Schule gut zusammenpassen", sagte er. Für die Schüler stimmte das, für das Publikum hingegen galt: 100 Prozent Spaß, 0 Prozent Arbeit. az
Artikel vom: 21.05.2010