Im Keller brennt der Dachstuhl

Weinheimer Nachrichten vom 15.03.2010

Weinheim. "Bildung ist das was übrigbleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat", sagte einst Werner Heisenberg, Namenspatron des Weinheimer Gymnasiums. Doch es liegt in der Natur der Sache, dass man den Kopf vor dem Vergessen erst einmal füllen muss. Dass das am Heisenberg-Gymnasium besonders gut geht, davon wollten Lehrer und Schüler am Tag der offenen Tür überzeugen. Dafür füllten sie das Gebäude vom Keller bis zum Dachboden mit rund 70 kreativen Projekten aus allen Fachbereichen. Ganz unten brannte da zum Beispiel die Vergangenheit. "Wir haben ein altes Zimmer ausgeräumt und sind dabei auf diese Fotos gestoßen", erklärte Englischlehrer Wolfgang Fath mit Blick auf die kleine Schwarzweiß-Galerie im Untergeschoss. Die Aufnahmen zeigen Schüler der ersten Stunde aus dem Jahre 1901 oder auch den Brand im Jahre 1976. Das Feuer zerstörte damals den Dachstuhl; einst in Schutt und Asche, gehört dieser nun zu den schönsten Räumen des Gebäudes und dient als Aufenthaltsort für die Schüler. Er wurde erst im vergangenen Jahr renoviert und fertiggestellt.

Für die Zukunft aufgestellt

Weitere Projekte dieser Art stehen an. Auf dem ehemaligen Sportgelände wurde am Freitag der Grundstein für ein neues Gebäude gelegt. "Dort sollen bis zum Sommer neue Klassenzimmer und bis 2013 auch eine Mensa entstehen", erläuterte der stellvertretende Schulleiter Hans Schröder die Pläne. Mit dem Erweiterungsbau reagiert die Schule auf die gestiegene Schülerzahl und neue Anforderungen der Bildungspolitik. "Ich denke, wir sind für die Zukunft gut aufgestellt", sagt Schröder, der zusammen mit Schulleiter Gerald Kiefer interessierten Eltern Rede und Antwort stand. Außerdem sorgten die Klassen für eine Vielzahl kulinarischer Angebote. Als Besuchermagnet erwiesen sich zudem die Naturwissenschaften mit interaktiven Angeboten. So konnte man mit Physiklehrer Marcus Hammer nicht nur erfahren, was Cornflakes auf dem Mars wiegen, sondern auch Mohrenköpfe vor dem Verspeisen im Luftvakuum köpfen. Im Fachbereich Biologie waren unter dem Mikroskop erstaunliche Dinge zu sehen. "Den Rüssel einer Stubenfliege, das Nervensystem eines Regenwurms oder den Floh einer Kohlmeise zum Beispiel", pries ein betreuender Schüler das große Angebot der Winzigkeiten.
Besondere Angebote

Die Chemie bot gab es in Säure eingelegte Knochen oder kleine Kunstwerken aus Säure/Base-Farbreaktionen. Auch ein brandneuer und hochmodern ausgestatteter Naturwissenschaftsraum wurde vorgestellt. Ganz so spektakulär ging es bei den anderen Fächern zwar nicht zu, aber sie überzeugten durch Einfallsreichtum und Kreativität. Ob Gipsmasken zum Mitnehmen im Kunstraum, eine Rap-Version von Goethes Zauberlehrling im Literaturcafé, das traditionelle Büchereiquiz oder liebevoll inszenierte Theaterstücke: Hier kam jeder auf seine Kosten. Hoch im Kurs stand die Sporthalle, wo es zum Beispiel Steptanz und Trapezvorführungen der Akrobatik-AG zu bestaunen gab - nur eine AG von mittlerweile rund 30 Angeboten, die über Sport, Musik und Sprachen bis zu ausgefallenen Kursen wie Japan, Wirtschaft, der Lego-League oder Töpfern reichen. Ein Angebot, dass nicht zuletzt die Verjüngung des Kollegiums widerspiegelt. Einer dieser engagierten Lehrkräfte ist Uli Kammerer, der mit einer famosen musikalischen Darbietung seiner Jazz-AG den offenen Tag erfolgreich beschloss. nh
Artikel vom: 15.03.2010