Gänsehaut beim Blick auf die Leinwand

Weinheimer Nachrichten vom 03.03.2010

Weinheim. Johannes kniet auf dem Dachboden und betrachtet intensiv eine riesige Landkarte von Afrika. So beginnt der Kurzfilm der Drehbuch-AG des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG), der am Sonntagabend im vollbesetzten Modernen Theater Premiere feierte. "04/04/91" heißt das Werk, doch auch die Premierengäste erfuhren nicht, welcher Sinn sich hinter diesem Titel verbirgt. Dafür lernten die Besucher die Hauptdarsteller und das Filmteam kennen, das unter der Leitung von Ulli Naefken dieses Projekt auf die Beine gestellt hat. "Es ist schon ein geiles Gefühl, hier oben auf der Bühne zu stehen, wenn das Kino voll ist", schwärmte Naefken.

Und auch Hauptdarsteller Joshua Hildebrand bekam eine Gänsehaut, als er den Film auf der großen Leinwand das erste Mal sah. Doch es war ein weiter Weg bis zu dieser Premiere: Von der ersten Ideensammlung im Juni 2007 über eine komplette Biografie der Hauptfigur, das Drehbuch, die produktionstechnischen Voraussetzungen, das Casting, die Dreharbeiten, den Schnitt und die Nachbearbeitung am Computer. Herausgekommen ist ein zwar nur 23 Minuten langer, dafür aber kinotauglicher Film, der schlaglichtartig "aus der Schule plaudert". Die prägende Rolle von Handy und Internet im Leben junger Menschen, die Themen Mobbing und Gewalt, Leistungsdruck und Freundschaft, aber - am Beispiel der Entwicklungshilfe - auch die Bereitschaft junger Menschen, sich politisch zu engagieren, werden thematisiert, dramatisiert und überspitzt. Es ist fast ein bisschen zu viel des Guten, was die Jugendlichen in diesen Film hineingepackt haben. Trotzdem ist es dem Team gelungen, einen Film zu machen, der das Publikum fasziniert. Bei der Premiere gab es lang anhaltenden Beifall von den Besuchern, unter ihnen Schulleiter Gerald Kiefer und Oberbürgermeister Heiner Bernhard. Beim Smalltalk mit Moderator Roland Kern erläuterte Naefken seine Idee zu diesem Projekt: "Es ist spannend, Geschichten aus der Gegenwart zu erzählen." In WHG-Lehrer Joachim Gund fand er einen Mitstreiter, der von Anfang an das Projekt unterstützte. Filmemacher wäre Naefkens Traumberuf, "aber es ist in Deutschland sehr schwer, damit Geld zu verdienen", hat er festgestellt. Ohne die Förderung der Landesanstalt für Kommunikation und die Unterstützung vieler Weinheimer Firmen und Privatleute wäre auch dieses Projekt nicht möglich gewesen. Und ganz zum Schluss wurde doch noch ein "Geheimnis" gelüftet: Als Filmblut wurde Lebensmittelfarbe verwendet, die es als Viererpack bei Edeka gibt: Rot ist jetzt zwar leer, aber gelbe, grüne und blaue Farben schreien förmlich nach einer Fortsetzung von "04/04/91". pro
Artikel vom: 03.03.2010