Da staunt sogar der Intendant

Weinheimer Nachrichten vom 11.10.2010

Autor: Jürgen Drawitsch

Die Kammermusik der Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums hätte an diesem Abend leicht in den Hintergrund treten können angesichts der hochkarätigen Gäste, die da in der ersten Reihe Platz genommen hatten. Schulleiter Gerald Kiefer hat nicht alle Tage die Ehre, den Generalintendanten der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Rainer Neumann, oder den aus Paris angereisten Dirigenten George Pehlivanian in seiner Aula zu begrüßen. Beide sind Initiatoren, Organisatoren und Leiter des internationalen Musikprojekts "Best Musicians of the World", das im kommenden Jahr den Projektchor des Heisenberg-Gymnasiums zu Konzerten mit zwei Pariser Gymnasien und eben der Deutschen Staatsphilharmonie in Paris und Ludwigshafen zusammenführen wird. Dass die Wahl auf die Weinheimer Schüler fiel ist um so erstaunlicher, weil das Heisenberg-Gymnasium kein Musikprofil hat; was nicht bedeutet, dass ein solches überflüssig ist. Es zeigt vielmehr, zu welch zusätzlichen Anstrengungen junge Menschen trotz schulischer Auslastung bereit sind, weil ihnen die Musik so viel bedeutet.

Auch die glanzvolle, romantische Geigen-Einlage von George Pehlivanian, der zur Klavierbegleitung von Wilfried Althammer die Thais-Meditation von Massenet regelrecht zelebrierte, verdrängte nicht den starken Eindruck, den nahezu alle Chöre, Solisten und kammermusikalischen Ensembles der Schule hinterließen.

Die Spitze war am Werner-Heisenberg-Gymnasium im Klassikbereich wohl noch nie so breit wie in diesem Jahr. Ansgar Deuschel, der bei "Jugend musiziert" auf Bundesebene an der Harfe die Höchstpunktzahl 25 erreichte und es in Virgilio Mortaris dreisätziger Sonatina Prodigio wellenartig fließen ließ, ging allen voran. Sebastian Stoica-Florea schmückte das Konzert mit der Eigenkomposition "Flötentänzerl", wobei Markus Koller und Max Hoffmann lebensfroh und heiter im Trio mit ihm lautmalten und jubilierten. Und auch Friederike Rhein und Theresa Körnig besangen poppig in "Just People" eine Eigenproduktion.
Schumann-Interpretation

Schon der erste Programmteil bot Einiges zum Zunge schnalzen. Wenn sich Amelie Bräumer, Jahrgangsstufe 13, ans Klavier setzt weiß man nach den ersten Anschlägen, warum sie die Ehre hatte, Robert Schumanns "Aufschwung" aus den Fantasiestücken im Schumann-Haus in Leipzig spielen zu dürfen. Sarah Walther spielte ihren Chopin (Fantasie-Impromptu cis-Moll) ausgesprochen forsch und kraftvoll an, gewann aber im Mittelteil enorm an Tiefe und Impression - ein weiterer Genuss, dem Sebastian Stoica-Florea bei der C-Dur-Etüde Chopins Manual-Tanz folgen ließ und sein musikalisches Multitalent obendrein.

Unter Leitung von Maria Stoica-Florea ließen die "Weinheimer Bachlerchen" Schuberts "Forelle" im Wasser zappeln, und Wolfram Schmidt hatte das Abendprogramm mit dem Neigungskurs 13 Musik des Bonhoeffer- und Heisenberg-Gymnasiums und "Give Me Wings" von David Sprunger Flügel verliehen. Nein, um den Nachwuchs braucht man sich an dieser Schule nicht zu sorgen. Carlotta Kohl (Sopranflöte) ließ es zur Klavierbegleitung von Johannes Walther bei Sammartini rasant laufen, und die Sechstklässlerin Anastasia Obsieger tanzt und hüpft durch Fritz Kreislers Präludium und Allegro auf ihrer Violine, dass man sich schon auf die Zeit freut, wenn sich zum außergewöhnlichen Talent noch Erfahrung und Reife gesellen werden.

Als moderne "Kammermusik" präsentierte das Jazz-Trio Lukas Botz (Tenorsax), Valentin Körnig (Bass) und Theresa Körnig (Klavier) Lennon/Mc Cartneys "Can’t buy me Love" mit gewagten und sehr gelungenen Rhythmuswechseln, ehe es zum Konzert-Ausklang mit Barbara Pfliegensdörfer (Querflöte), Ingibjörg Schwarze (Violoncello) und Marina Rivkina (Klavier) zur Trio-Symbiose aus Eltern, Ehemaligen und Lehrern kam. Mendelssohns Trio d-Moll und Piazollas Tango "Primavera portena" sprachen Seele und Temperament gleichermaßen an.